„Home Invasion“ – J. Mertens

Auf den ersten Blick scheinen die Bentleys eine ganz normale Familie zu sein, die sich auf den Urlaub freut, nur Baby Gabe raubt mal wieder allen mit seinem permanenten Geschrei die Nerven und die 10-jährige Drew und ihr 6 Jahre älterer Bruder scheinen ein Geheimnis zu haben, dass mit seinem Durchfall zusammenhängt, aber so sind halt Teenager.
Die Nachbarn schauen noch einmal vorbei, um sich letzte Instruktionen abzuholen, denn sie sollen auf das Haus aufpassen und dann klingelt es plötzlich und ein kleines, blondgelocktes Mädchen steht vor der Tür.
Sie bittet um eine Spende für ein Waisenhaus und fragt, ob sie die Toilette benutzen kann, natürlich schlägt ihr das niemand ab, ein Fehler, wie sich schon bald herausstellt.
Kurz darauf läutet es erneut, ihr großer Bruder, der nach ihr sucht und nicht besonders freundlich ist, gefolgt von den Eltern, die sich für ihren Sohn entschuldigen.
Den Hausbesitzern kommt das Ganze langsam merkwürdig vor, sie wollen die Gäste nur noch loswerden, die jedoch weigern sich zu gehen und meinen, sie müssten auf Grandpa warten, der tatsächlich bald eintrifft.
Von da an gerät die Situation völlig außer Kontrolle, denn der alte Herr will spielen und es wird kein schönes Spiel.
Er scheint die dunkelsten Geheimnisse jedes einzelnen zu kennen und hat keine Skrupel, sie gegeneinander auszuspielen ohne sich selbst die Finger dabei schmutzig zu machen…

Dass „Home Invasion – Die Faust des Terrors“ nichts für Leute mit schwachem Magen ist, zeigt sich bereits im Prolog, allerdings hat man da noch keine Ahnung, wer die Opfer sind, das erfährt man jedoch im Laufe der Handlung.
Während die Bentleys anfangs wie eine ganz normale Familie erscheinen und einem die Mitglieder mehr oder weniger sympathisch sind, ändert man seine Meinung recht bald, denn nichts ist so, wie es scheint, jeder von ihnen hat Schuld auf sich geladen, mit Ausnahme von Baby Gabe, aber ausgerechnet er ist der Erste, der auf eine sehr unschöne Art sein Leben lassen muss, noch bevor die Partie so richtig losgeht, eigentlich ist er sogar der Auslöser, der Startschuss sozusagen.
Und dann geht es reihum und schon bald ist von einem Familienzusammenhalt nicht mehr das geringste zu spüren, zu entsetzt sind ist jeder von den Taten der Anderen, kein Tabuthema wird ausgelassen und bald geht es nur noch ums pure Überleben, Vater gegen Mutter, Bruder gegen Schwester…

Wie bereits erwähnt, empfindlich sollte man nicht sein, wenn man zu diesem Buch greift, denn immer, wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen, packt der Autor noch eine Schippe drauf.
Lediglich das Cover halte ich nicht so ganz für gelungen und das liegt an den verschiedenen Schriftarten und -farben.
Ansonsten haben ich den Trip in die Abgründe der menschlichen Seele sehr genossen und vergebe dafür 4 von 5 Blutlachen.

• Autor:                                    J. Mertens

• Verlag:                                  Blutwut

• Format:                                Taschenbuch

• Seitenzahl:                          180 Seiten

• ISBN:                                     978-3961114283

 Genre:                                  Horror / Thriller

• Bewertung:

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„River of Violence“ – Tess Sharpe

„Ich bin acht, als ich zum ersten Mal erlebe, wie mein Daddy einen Mann umbringt…“ Eigentlich hat mich Tess Sharpe bereits mit dem ersten Satz.
Und es gibt viele dieser ersten Male, Dinge, die „normale“ Kinder nicht erleben, denn Harley ist die Tochter von Duke, dem Boss eines Drogenclans, sie wächst in einer gefährlichen Umgebung auf und je älter sie wird, umso mehr versteht sie, was um sie herum vorgeht.
Mit 8 Jahren ist sie dabei, als ihre Mutter verbrennt, getötet von Carl Springfield, dem Oberhaupt des rivalisierenden Clans.
In diesem Moment lernt sie ihren Feind kennen, einen Schatten, der sie ihr ganzes Leben verfolgt, den sie schwört, zu töten, irgendwann, wenn die Zeit reif ist.
Vorher jedoch kommen Lehrjahre, die Harley nie vergessen wird, denn ihr Vater lehrt sie alles, was sie braucht, um eines fernen Tages seinen Platz einzunehmen und er ist alles andere als zimperlich.

“ … Doch, auf jeden Fall: Daddy ist anders zu mir, weil ich ein Mädchen bin. Er würde das niemals zugeben, aber egal wie stolz er auf mich sein mag, er unterschätzt mich trotzdem. Mo sagt, er kann nicht anders. Das ist die Art von Vätern.
Manchmal denke ich, das ist einfach die Art von Männern.
Früher hat mich das geärgert. Aber dann wurde mir klar, dass das eine Schwäche ist.
Und mir wurde antrainiert, Schwächen auszunutzen …“ ( Seite 172)

Harley lernt bereits als kleines Kind schießen, wenn sie einen Raum betritt, checkt sie als erstes alle Fluchtmöglichkeiten ab, sie darf nicht zur Schule, zu gefährlich, dafür lernt sie jedoch eine Menge anderer Lektionen, wie man Leichen beseitigt zum Beispiel.
Und sie hat nie eine Wahl, ihr Lebensweg ist vorherbestimmt.

“ … denn in all den Jahren habe ich gelernt, dass Leute eben manches eben nicht durchstehen. Manchmal fliegen Häuser in die Luft. Manchmal sterben Mütter. Manchmal sind Väter etwas, das nicht in einem Körper wohnen sollte mit der Person, die dich vorm Schlafengehen zudeckt …“ (Seite 192)

Das Verhältnis zu ihrem Vater ist sehr zwiegespalten, sie rebelliert, versucht auszubrechen, sie ist nicht so wie Duke, hat mit Methkochen und Waffenschmuggel nichts am Hut, stattdessen schlägt ihr Herz für das Projekt ihrer Mutter, ein altes Hotel, dass misshandelten Frauen Schutz gewährt.
Und dann muss sie die Führungsrolle früher als geplant übernehmen, denn ihr Dad hat Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium, natürlich darf das keiner erfahren, sonst würde jeder ein größeres Stück vom Kuchen haben wollen und die alten Revierkämpfe wieder ausbrechen.
Vor Duke haben alle Angst, er ist gefährlich, aber wer hört schon auf eine junge Frau?
Harley muss herausfinden, wem sie wirklich trauen kann, sie muss ihr Erbe verteidigen und dann ist da auch noch Carl Springfield, mit dem sie mehr als nur ein Hühnchen zu rupfen hat…

„… Ich verbringe die ganze Nacht hier an seinem Bett, beobachte ihn und warte, das er aufhört zu atmen. Das ist beschissen, aber wahr ist es trotzdem. Ich habe eine Heidenangst, dass es morgen tagsüber passiert, wenn ich nicht da bin. Während ich rumrenne und alles einreiße, was er aufgebaut hat …“ (Seite 167)

“ … Ich habe ihn geliebt und ich habe ihn gehasst. Ich habe ihn verehrt und ich habe ihn abgelehnt. Er hat mich in Käfige und Kofferräume gesteckt, mich in Gefahr gebracht. Er hat mir so viel beigebracht, Gutes, Nützliches, Schreckliches. Er hat mich benutzt und ich habe ihn benutzt, und ich habe überlebt … er wird es nicht …“ (Seite 443)

Was soll ich sagen, ich habe „River of Violence“ von Tess Sharpe bei Lovelybooks entdeckt, dort wurden einige Leseexemplare verlost, da ich den Klappentext 8und das einfache rote Cover mit dem riesigen Titel sehr ansprechend fand, habe ich mitgemacht und gewonnen.
Keine Ahnung, ob ich mir das Buch so gekauft hätte, falls nicht, wäre mir definitiv etwas entgangen, denn zusammen mit Harley begibt man sich auf eine Reise durch eine ungewöhnliche Kindheit, die alles andere als unbeschwert ist, ich jedenfalls hätte um nichts in der Welt mit ihr tauschen wollen.
„Ich bin beinahe elf, als ich im Kofferraum eines Autos zu mir komme…“,
„Ich bin zwölf, als ich zum ersten Mal auf einen Menschen ziele…“,
„Ich bin sechzehn, als ich begreife, wie Furchtlosigkeit aussieht…“
In Rückblicken erfährt man immer wieder Neues aus Harleys Vergangenheit, Dinge, die sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie jetzt ist, Dinge, die sie genau an den Punkt gebracht haben, an dem sie jetzt steht und alles auf eine Karte setzt.
Tess Sharpe hat ihrer Hauptprotagonistin sehr viel mit auf den Weg gegeben, auch einen manchmal recht eigenwilligen Sinn für Gerechtigkeit, aber genau das macht sie so liebenswert, im Gegensatz zu Duke, der ein eiskalter Geschäftsmann ist, aber selbst bei ihm erkennt man einige gute Eigenschaften.
Und dann ist da noch Jake, der Bruder von Haleys ermordeter Mutter, der mit all den kriminellen Machenschaften gar nichts zu tun haben will, sich aber entscheiden muss, auf welcher Seite er steht.
Zu ihrem Onkel hat Harley eine sehr innige Beziehung, ist er doch der menschlichste in ihrer Umgebung, mit Ausnahme von Will natürlich…
„River of Violence“ bietet eine Menge an interessanten Charakteren und das faszinierende daran ist, dass man sie eben nicht eindeutig als gut oder böse abstempeln kann, denn jeder versucht, auf seine Art, das Beste aus seinem Leben zu machen, einige bleiben sich selbst treu, andere verraten ihre Ideale…
Mit 522 Seiten ist das Buch recht umfangreich, aber ich habe keine Minute bereut, in Gegenteil, ich bin gerne in Harleys grausame und doch irgendwie faszinierende Welt eingetaucht, habe sogar das eine oder andere Tränchen verdrückt und kann gar nicht anders, als die volle Punktzahl zu vergeben und komme wohl nicht umhin, mir auch das andere Buch der Autorin zuzulegen.
Unbedingt lesen.^^

• Autor:                                    Tess Sharpe

• Verlag:                                  Bold

• Format:                                 KIappenbroschur

• Seitenzahl:                          522 Seiten

• ISBN:                                     978-3-423-79045-1

 Genre:                                  Thriller

• Bewertung:

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Ein Brief vom Keilerstein“ – Christian von Aster

Der Frankenstein von Marburg…

„… Eingedenk unserer langjährigen Freundschaft habe ich beschlossen, Dir diesen Brief zu schreiben: den Versuch einer Erklärung, einer Reflexion, damit Du verstehst und begreifst, warum ich mich so lange nicht gemeldet habe.
Bevor du aufgelegt hast, stelltest du fest, dass ich mich verändert habe. Du kannst mir glauben, dass das angesichts meiner Erlebnisse hier nicht verwunderlich ist. Es ist möglich, nein, sogar sehr wahrscheinlich, dass ich tatsächlich ein anderer Mensch geworden bin …“ (Seite 7)

Bernhard tritt sein ärztliches Praktikum am, jedoch nicht an einer renommierten Klinik, obwohl ihn einige mit Kusshand genommen hätten, sondern in einer Privatklinik am Arsch der Welt.
Grund dafür ist deren Leiter, ein gewisser Dr. Erwin Sternhammer, dessen philosophische Schriften er während des Studiums gelesen hat.
Sternhammer ist als Fanatiker verschrien, als Frankenstein von Marburg, denn er hat die Regeln gebrochen und Experimente am lebenden Objekt durchgeführt, womit der sich den Zorn seiner Kollegen zuzog und sich am Keilerstein sein eigenes kleiner Reich zurückgezogen hat.
Genau dort hat Bernhard nun eine Stelle bekommen und er ist verdammt neugierig, was ihn erwartet.
Bei seiner Ankunft wird er jedoch enttäuscht, das Gelände macht einen verfallenen Eindruck, die paar Patienten erweisen sich als ziemlich langweilig und außerdem gibt es außer ihm noch einen weiteren Assistenzarzt, der Sternhammer allerdings noch nicht zu Gesicht bekommen hat.
Seine Aufgaben sind wenig fordernd, das Personal irgendwie merkwürdig, aber Bernhard bleibt, denn er will sein „Idol“ unbedingt treffen…

Auch Christian von Asters „Ein Brief vom Keilerstein“ weiß wieder mit viel Liebe zum Detail zu punkten, sei es die Prägung auf dem Cover oder die Illustrationen von Holger Much (dessen etwas eigenwilligen Stil ich übrigens sehr mag), die die düstere Atmosphäre im Buch sehr widerspiegeln.
Die Umschlagzeichnung zeigt Bernhard vor dem etwas verwahrlosten Klinikgelände, alles ist in dunklen Farbtönen gehalten, mit Ausnahme des Lichts in einem der Fenster.
Das gesamte Werk besteht aus einem Brief, den der Hauptprotagonist an seinen Freund Thomas schreibt, den er in der letzten Zeit sehr vernachlässigt hat, er will ihm erklären warum, seine Begeisterung teilen für die Dinge, die er erlebt hat.
Für die Blut- und Gedärme-Fraktion allerdings ist das Buch eher weniger geeignet, lebt es doch von der unheilvollen Stimmung, die über allem liegt.
Und genau für dieses Gänsehaut-Feeling gibt es von mir 4 von 5 Blutlachen…

• Autor:                                    Christian von Aster

• Verlag:                                  Buchheim

• Format:                                Hardcover

• Seitenzahl:                          128 Seiten

• ISBN:                                     978-3-946330-09-7

 Genre:                                  Horror

• Bewertung:

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Verlosung „Rachewinter“ von Andreas Gruber

Auch wenn es diesmal leider nur eine sehr überschaubare Anzahl von Teilnehmern gab, habe ich das Buch vorhin natürlich, wie versprochen, ausgelost.
Und tada, die Glückliche, -ja es gab diesmal tatsächlich nur weibliche Teilnehmerinnen- ist Henriette.
Bitte melde dich bei mir zwecks Adresse, damit ich dir das Buch in den nächsten Tagen zuschicken kann.

Die nächste Verlosung wird übrigens nicht lange auf sich warten lassen, dann gibt es ein signiertes Werk von Wrath James White, so viel kann ich euch ja schon mal verraten…^^

Veröffentlicht unter Me, myself and I | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

„Malena: Ein Hauch von Hölle“ – Alex Miller

So ein Haustier hätte ich nur zu gern…

Malina ist die Tochter des Teufels und hat so ihren ganz eigenen Weg durchs Leben zu gehen, das erkennt man bereits im „Vorwort“, als eine Nebenbuhlerin mal eben zur Privataudienz geladen wird.
Als sie Malina dann auch noch reizt, verliert die vollkommen die Kontrolle, aber das ist halb so wild, kann sie doch Daddys Putzkolonne rufen, die hinter ihr aufräumt, nur einer der Vorteile, wenn man die Tochter des Teufels ist.
Doch natürlich hat die Sache auch einen Haken, nämlich permanente Kontrolle, der Vater hat extra einen seiner Lakaien zur Überwachung abgestellt.
Mr. Darcy ist die Langeweile in Person, ständig taucht er auf, wenn es Ärger gibt (und den gibt es mehr als genug) und stellt Malina immer wieder ein Ultimatum, sie muss sich entscheiden, ob sie auf der Erde bleiben, oder nicht doch lieber ihren Platz in der Hölle einnehmen will.
Für sie ist die Sache klar, hat sie doch in Gabriel ihren absoluten Traummann getroffen, blöd nur, dass der nichts von der Sache weiß.
Aber das macht nichts, immerhin hat sie ja genügend Möglichkeiten, ihre Mitbewerberinnen aus dem Weg zu räumen.

“ … Der restliche ereignislose Tag geht über in eine ereignislose Nacht. Gabriel schläft neben mir. Er war in mir, auf mir, unter mir, hat den Worten rein und raus eine neue frustrierende Dimension verliehen. Doch ich gebe nicht auf. Liebe bedeutet, füreinander da zu sein oder so ähnlich …“ (Seite 132)

Als dann jedoch auch noch ihre Mutter auftaucht und ihr mitteilt, dass sie heiraten will und Malena Trauzeugin werden soll, ist das Chaos komplett, denn Gabriel muss zur Hochzeit an ihrer Seite sein und dafür bleibt nicht mehr viel Zeit.

„… Peter grinst wie ein angefressenes Honigkuchenpferd. Seine Haarfarbe kann ich nicht erkennen, es gibt nichts mehr auf seinem Kopf, das Auskunft darüber geben könnte. Er hat buschige dunkle Brauen über wirklich schönen Augen, die von einem sanften Blau sind, umkränzt von kleinen Fältchen, die nur von oftmaligem Lachen herrühren können. Seine Nase ist lang und gebogen, der Mund klein, umrahmt von einem grauen Bart. Er strahlt abwechselnd Mutter und mich an. Die beiden sind verliebt, du meine Güte, wie Teenager. Irgendwie rührt mich das und irgendwie möchte ich ihn von Mutter wegzerren und direkt aus dem Fenster werfen…“ (Seite 39)

Da ich bereits „Roadkill“ von Alexandra Mazar alias Alex Miller gelesen habe, war ich sehr gespannt auf das Buch, auch wenn es eigentlich nicht ganz mein Genre ist, aber so ein bisschen Teufel hat ja bekanntlich noch niemandem geschadet.
Und was soll ich sagen: Ich hab mich höllisch amüsiert.
Wie könnte ich auch nicht, Malina ist einfach herrlich, aufbrausend und sehr konsequent, wer ihr nicht passt, wird ausradiert, kurz und schmerzlos oder vielleicht besser schmerzvoll, verfügt sie doch dank ihrer Abstammung über einige ganz besondere Fähigkeiten.
Dabei will sie mit ihrem Vater und der Hölle eigentlich gar nichts zu tun haben, sie will einen Mann, der sie von sich aus liebt und den sie sich nicht gefügig machen muss, einen geeigneten Kandidaten hat sie dafür schon, doch leider ist nicht immer alles, wie es scheint.
Die Figuren sind liebevoll beschrieben, allen voran natürlich Malina, die durch Blut watet, trotzdem kann man sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen, denn so brutal sie auch gegen ihre Gegner vorgeht, so naiv ist sie in Liebesdingen.
Ihre Mutter ist ebenfalls so ein ganz spezieller Charakter, fürchterlich nervend und oberflächlich, aber doch irgendwie so ein bisschen liebenswert.
Mein Herz hat jedoch Ice gewonnen, der kleine Allesfresser, so einen hätte ich auch gerne, genug Futter-Kandidaten hätte ich definitiv zur Hand…
Ab und an gibt es ein paar kleine Einblicke auf das Leben in der Hölle, oder zumindest einige der Kreaturen, die hier auf der Erde für Ordnung sorgen und die Idee mit dem Telefon zum Hilferufen hat mich so ein bisschen an Matrix erinnert.
In der Fortsetzung erfahren wir hoffentlich noch mehr über die Unterwelt und deren Herrscher, ich persönlich finde sowas ja immer sehr faszinierend.
„Malena“ ist in 13 Kapitel unterteilt, jedem steht ein Zitat voran, meist aus „Faust“, womit wir passenderweise wieder beim Teufel wären…
Das Cover ziert eine dunkelhaarige Schönheit mit auftoupierten Haaren, der Beschreibung nach natürlich die Hauptprotagonistin und somit sehr passend.
Insgesamt hat mich das Komplettpaket überzeugt und ich warte gespannt auf Neuigkeiten von der Höllentochter, bis dahin gibt es von mir 4,5 von 5 Blutlachen.

• Autor:                                    Alex Miller

• Verlag:                                  Independently published

• Format:                                 eBook

• Seitenzahl:                          159 Seiten

• ISBN:                                     978-1093100587

 Genre:                                  Humor, Fantasy

• Bewertung:

 

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Die Mädchenwiese“ – Martin Krist

Wenn die eigene Familie zum Albtraum wird …

Sam hat es nicht leicht, denn alle halten ihn für wunderlich, in der Schule wird er gemobbt, Schwester Lisa und Mutter Laura geht er auch auf die Nerven.
Aber Lisa vertraut ihm an, dass sie übers Wochenende zu ihrem Freund nach Berlin fährt, ein Geheimnis, dass Sam unbedingt für sich behalten will, denn er ist stolz, dass seine große Schwester ihn einweiht.
Als jedoch der Montag anbricht und Lisa zum angekündigten Schulausflug nicht auftaucht, gerät nicht nur sein Leben aus den Fugen.
Die Mutter ist total am Ende, ihr Schwager, der Polizist ist, nimmt sich der Suche an und Sam zieht es immer wieder in den angrenzenden Wald, wo er die „Dorfhexe“ bei merkwürdigen Dingen beobachtet, aber wem soll er sich anvertrauen?
Keiner nimmt seine Beobachtungen für voll.
Alex führt die Kneipe im kleinen Ort Finkenwerda, natürlich hat auch er von Lisas Verschwinden gehört und als ehemaligem Polizist kommt ihm ein schlimmer Verdacht.
Bereits vor einigen Jahren gab es immer Funde von Mädchenleichen, die Morde hörten irgendwann auf, der Täter allerdings wurde nie gefasst.
Und dann läuft auch Alex Leben komplett aus dem Ruder…

„Mädchenwiese“ ist ein recht harmloser Titel für diesen doch aufwühlenden Thriller, der gleichzeitig mein erster, aber wohl nicht letzter von Martin Krist war.
Auf der Mädchenwiese treffen sich Freundinnen, um ihre Geheimnisse zu teilen, über Jungs zu plaudern, all diese Dinge, die zum Teenagerleben dazugehören, inzwischen dient der einstmals lauschige Ort jedoch als Ablageplatz für verstümmelte Leichen und auch die Unschuld der Jugend ist dahin.
Der Autor hat sehr detailreiche Protagonisten erschaffen, angefangen mit Sam, der sich seiner Schwester gegenüber verpflichtet fühlt und sie auf keinen Fall verraten will, aber was, wenn wirklich etwas schlimmer passiert ist?
Lisa hingegen ist der typische Teenager, aufmüpfig, unzufrieden, gestresst von ihrer überforderten Mutter und doch muss sie auf die harte Tour lernen, dass ihr Leben eigentlich gar nicht so schlecht war.
Alex hingegen ist wohl der sympathischste Protagonist, er macht sich Sorgen, versucht einzugreifen…, ich persönlich mochte allerdings Berta am Liebsten, die alte Frau, die ein Geheimnis hütet und in ihrem Leben so viel mitgemacht hat, obwohl ihr Handeln nicht immer nachvollziehbar ist.
Das Cover passt zum Titel, die rosa Schrift kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der verlorene Schuh im Matsch wohl nichts Gutes bedeutet.
Alles in allem also ein rundum gelungenes Buch, das mir 4 von 5 Blutlachen wert ist …

• Autor:                                    Martin Krist

• Verlag:                                  epubli

• Format:                                 Taschenbuch

• Seitenzahl:                          417 Seiten

• ISBN:                                      978-3748517511

 Genre:                                   Thriller

• Bewertung:

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Andreas Gruber, Leipziger Buchmesse, 24.03.2019

Zur Buchmesse hatte ich zusammen mit Ramona von „Geheimnisvolle Bücherwelten“ die Gelegenheit, einen kleinen Plausch mit Andreas Gruber über sein neuestes Werk „Code Genesis“ und natürlich auch seine anderen Bücher und Protagonisten zu halten.
Hier findet ihr nun den Mitschnitt unserer angeregten Diskussionsrunde, die auch noch weiter ging, als das Diktiergerät längst abgeschaltet war.
An dieser Stelle ein dickes Merci an Andreas, der sich von uns hat Löcher in den Bauch fragen lassen und natürlich an Ramona, die mich begleitet hat.
Und sollte es da draußen in den unendlichen Weiten tatsächlich noch jemanden geben, der Andreas Gruber nicht kennt, sollte der unbedingt mal hier oder da vorbeischauen …

  • Hallo Andreas, schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast.

Servus, sehr gerne. Es tut gut, in all dem Trubel auf der Messe sich mal in Ruhe hinzusetzen und einen Kaffee trinken zu können.

  • Planst du einen „Rachefrühling“? 
    Der Frühling ist ja die letzte Jahreszeit, die noch offen ist…

Bis vor ein paar Jahren hab ich bei den Lesungen immer wieder gesagt, weil genau diese Frage aufgetaucht ist, nein, ich mache keinen Rachefrühling, weil Rachefrühling zu wenig kriminell wirkt für einen Krimi, das ist zu sanft, Rachefrühling, das könnte ein Roman von Rosamunde Pilcher sein, „Rachefrühling in Südengland“ beispielsweise. Dann sind aber bei Lesungen immer mehr drängende Fragen gekommen, die Leser hätten gern einen Rachefrühling und ich hab dann auch immer wieder gefragt, wollt ihr einen Rachefrühling und alle haben gesagt ja. Dann hab ich mit dem Verlag darüber gesprochen, denn ich habe nämlich eine Idee, wie es weiter gehen könnte. Die Idee kann man nur in dieser Rache-Reihe bringen, weil man da eine Anwältin braucht mit einer Kanzlei, die eben einen Gerichtsfall übernimmt und der Verlag hat dann gesagt, ja, wir machen diesen „Rachefrühling“, er wird also kommen, Vertrag gibt es im Moment noch keinen, und es wird noch ein paar Jahre dauern, es werden noch ein paar Romane dazwischen erscheinen, aber definitiv kommt dann der Rachefrühling.

  • Und was machst du, wenn der Frühling dann rum ist, ist die Reihe vorbei?
    Dann hast du ja das Jahr durch.

Ja, dann ist das Jahr durch, und dann machen wir nicht mehr weiter. Und weil ich es zu dem Zeitpunkt schon mit dem Verlag besprochen hab, gibt’s im derzeit letzten Roman „Rachewinter“ beim Epilog noch keine finale Szene, denn die hebe ich mir dann für den „Rachefrühling“ auf.

  • Hast du einen guten Rat für Hobbyschreiber? Irgendetwas, an das man sich unbedingt halten sollte?

Ja, mehrere, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Du meinst mit Hobbyschreiber wirklich die, die gerade erst beginnen?

  • Genau, die, die neu in der Materie sind.

Der Ratschlag wäre, bevor sie überhaupt zu schreiben beginnen, sollen sie doch von James N. Frey „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ lesen, Teil 1 und Teil 2, da wird nämlich beschrieben, wie man plottet, wie man Charaktere entwickelt, wie man Spannung aufbaut, wie man Rückblenden macht. Das ist so die Grundausstattung. Weil wenn sich da andernfalls jemand hinsetzt und keine Ahnung vom Creative Writing hat, dann schreibt er einen Roman, so wie ich das 1995 gemacht habe , dann kannst du den Roman nehmen und ihn in die Tonne werfen, weil das Überarbeiten viel zeitaufwendiger ist, als einen komplett neuen Roman zu schreiben. Also vorher unbedingt ein paar Creative Writing Sachbücher lesen, mittlerweile gibt es da so viele gute Übersetzungen und auch viele gute auch deutschsprachige Sachbücher über das Schreiben. Dann Schreibworkshops von Profiautoren besuchen und entweder gleich mit einem Roman starten oder mal mit Kurzgeschichten Fingerübungen machen, wie auch immer. Danach ein Exposé oder eine Leseprobe an Literaturagenten schicken, nicht an Verlage, weil Verlage haben keine Zeit, es zu lesen. Das wäre ein sinnvoller Weg, wie man Schriftsteller werden könnte.

  • Dein letztes Buch ist ja „Code Genesis“, warum ist das Haustier dort ausgerechnet ein Frettchen? Hast du schon irgendwelche Reaktionen darauf bekommen? Weil, wenn Kinder ein Buch lesen und etwas besonders toll finden, wollen sie das auch haben. Ist schon irgendjemand an dich herangetreten und hat gefragt, warum ein Frettchen, kann sie nicht einen Hund oder eine Katze haben?

So wie mit dem Clownfisch von Walt Disneys „Findet Nemo“ und alle wollten plötzlich einen haben?

  • Richtig.

Also bis jetzt habe ich noch keine bösen Emails von Eltern bekommen: “Danke Herr Gruber! Mein Kind wünscht sich ein Frettchen …“ Ich habe gewusst, auf dem U-Boot muss ein Haustier sein. Ich habe sogar in meinen Erwachsenen-Romanen immer wieder Tiere, in meinen Thrillern zum Beispiel zwei Dobermänner, die Edgar und Wallace heißen, drei Goldfische, die Sammy, Davis und Junior heißen oder zwei Katzen, die Bonnie und Clyde heißen.

  • Ich hatte mal zwei Ratten, Bonnie und Clyde…

Also das lockert das Ganze ein bisschen auf, auch wenn die Thriller blutrünstig sind. Ich habe gewusst, bei einem Jugendroman muss ganz einfach auch ein Haustier vorkommen und ein Hund geht nicht an Bord eines U-Bootes, der wär wirklich arm, eine Katze ist zu abgedroschen und so bin ich halt auf die Idee gekommen, dass es entweder ein Frettchen, ein Marder oder ein Wiesel sein soll und hab mich dann eben für das Frettchen entschieden.

  • Fiel es dir schwer, dich für das Buch in einen Teenager hineinzudenken und dann auch noch ausgerechnet in ein Mädchen?

Nein, das ist mir lustiger Weise nicht schwergefallen, weil dieses Buch oder diese Buchtrilogie, die es ja werden wird, ein langjähriger Traum von mir ist, einmal so eine Jugendabenteuergeschichte zu schreiben. Ich hab immer wieder, gerade um die Weihnachtszeit so melancholische Anfälle und lese Jugendbücher von damals. Ich versuche, durch diese Jugendbücher, die ich selber lese mir quasi meine Jugenderinnerungen aufzufrischen. Das ist vielleicht eine Flucht aus dem Alltag in die Jugend hinein, weil das eine schöne Zeit für mich war. Ich habe mir gedacht, ich möchte sowas jetzt auch schreiben, so eine richtige Abenteuergeschichte, wie ich sie gerne gelesen hätte, als ich ein Jugendlicher war. Dadurch hab ich mich jetzt nicht irgendwie mühsam hineindenken müssen, sondern das ist mir viel leichter und lockerer von der Hand gegangen als ein harter Erwachsener-Thriller.

  • Und wie bist du ausgerechnet auf ein U-Boot gekommen? war dir das von Anfang an klar?

Nein, das war mir nicht von Anfang an klar, die erste Idee, die ich für meinen Literaturagenten entwickelt habe, war die: Drei Jugendliche gründen eine Privatdetektei, lassen sich Visitenkarten drucken und übernehmen mystische Kriminalfälle. Mein Agent hat gesagt, das erinnert schon sehr an „Die drei ???“ und ich soll doch was originelles, neues erfinden. Da ich schon immer die Liebe zum Wasser hab, das kommt immer unterschwellig in meinen Romanen vor, entweder Flüsse oder Inseln oder Seen oder das Meer oder die Küste, wollte ich irgendetwas mit Wasser schreiben. Die erste Idee war, sie fahren auf einem Forschungsboot, und dann hab ich mich an meine Faszination für Filme wie „Das Boot“ erinnert oder „Crimson Tide“ und hab mir gedacht, es wär doch cool, wenn diese Location nicht ein Schiff wär, sondern ein U-Boot. Die nächste Überlegung war dann, warum sollte ein vierzehneinhalbjähriges Mädchen auf einem U-Boot wohnen, dort groß werden und erzogen werden? Und dann ist die Idee eben entstanden, dass ihr Onkel Meeresbiologe ist. Und wo ist die Mama? Die könnte vor 10 Jahren gestorben sein und so hat sich dann diese Geschichte entwickelt.

  • Ramona: Bist du dafür auch zu einem U-Boot hin, hast dir das angeguckt?

Wenn es ein Erwachsenenthriller gewesen wäre, dann schon, dann wäre ich zumindest in die Bavaria Studios gefahren und hätte mir das Boot angeschaut und hätte mit einem Techniker gesprochen. Aber da das in einem Jugendbuch für 11-14-jährige sowieso nicht technisch bis ins letzte Detail erklärt werden muss, hab ich das jetzt nicht recherchiert sondern hab mir auf YouTube Videos angeschaut, wie generell ein U-Boots funktioniert, also Wassertanks fluten, dann geht’s runter, mit Pressluft die Luft aus den Wassertanks blasen, dann steigt es auf. Dann hab ich selber für mich einen Querschnitt dieses U-Bootes gezeichnet mit Maschinenraum, Steuerraum, Kombüsen, Kajüte und so weiter.

  • Du meinst das Bild, das vorne im Buch drin ist?

Genau, das ist ursprünglich eine Zeichnung für mich selbst gewesen, die der Verlag übernommen hat. Die haben das dann auch von einer professionellen Grafikerin zeichnen lassen. Das hat mir gereicht, mehr wollte ich gar nicht recherchieren, sonst wäre die Versuchung zu groß gewesen, diese ganzen Recherchen reinzupacken und dann wäre das Ganze sehr belehrend und erklärend geworden, wie das alles funktioniert und das wäre dann auf Kosten der Handlung gegangen.

  • Hast du schon als Kind geschrieben oder bist du erst später dazu gekommen?

Meinen ersten Roman hab ich mit 8 Jahren geschrieben, weil ich Schriftsteller werden wollte, schon als 9-jähriger, davor wollte ich Astronom werden. Ich wollte Astronomie studieren und in einer Sternwarte meinen Arbeitsplatz haben, also das war meine erste Idee. Und dann war die zweite Idee, nachdem mir meine Eltern das zusammen mit einer Berufspsychologin ausgeredet haben, ich möchte Schriftsteller werden, ich möchte Geschichten erfinden.

  • Und das fanden deine Eltern besser?^^

Das habe ich ihnen gar nicht gesagt, man lernt ja aus der Erfahrung, das habe ich einfach verheimlicht. Also als acht-, neunjähriger hab ich die ganzen „Was ist Was“ Bände über Mond, über Sterne, über Planeten gelesen, und die hab ich richtig verschlungen. Der Plan war, ich werde Astronom, ich möchte das studieren, aber meine Eltern haben gesagt, das ist keine gute Idee, die Psychologin hat gesagt, damit lässt sich kein Geld verdienen und dann hab ich beschlossen, ich werde Schriftsteller, möchte Geschichten erfinden und habe meinen ersten Roman mit 9 Jahren geschrieben. Ich kann mich noch genau erinnern, in den Sommerferien, das war ein Krimi und der hat geheißen „Moneten, Bier und heiße Bräute“.

  • Mit 9?

Aber nach 3 Seiten waren dann alle Figuren tot, die haben sich alle gegenseitig umgebracht und dann war der Roman zu Ende.

  • Weil wir gerade beim Thema sind, hast du Tipps für den perfekten Mord? Etwas, worauf du ganz besonders achten würdest?

Wenn ich einen Mord begehen würde? Interessantes Thema. Da beschäftige ich mich dauernd damit. Du darfst kein Motiv haben. Sobald irgendwer umgebracht wird, ist ja die erste Frage: Wer profitiert davon? Du darfst kein Motiv haben, das ist das Allerwichtigste. Oder es darf dieses Motiv niemand kennen. Zweitens, du brauchst ein Alibi. Du musst wirklich ein felsenfestes Alibi haben, dass du zu dem Tatzeitpunkt dort nicht gewesen sein kannst.
Der nächste wichtige Punkt ist, es darf gar nicht erst die Vermutung auftauchen, dass es sich dabei um einen Mord handeln könnte.

  • Unfall…

Ja, Unfall ist auch okay, noch besser wäre natürlich ein natürlicher Todesfall, das wäre das allerbeste. Bei einem Unfall kann man auch recherchieren, wie ist der Unfall zustande gekommen, es darf gar nicht erst die Idee auftauchen, dass das ein Unfall oder ein Mord sein könnte, sondern man muss glauben, dass es eine natürliche Todesursache ist. Und genau das wird in „Rachewinter“ beschrieben.

  • Da muss ich gestehen, ich habe es noch nicht gelesen. (Doch, inzwischen schon^^)

Ich stehe in Kontakt mit dem Chefgerichtsmediziner von der Berner Pathologie in der Schweiz, dem darf ich hin und wieder Emails schreiben und er hilft mir dann weiter bei den Recherchen. Er hat mir einen seiner Artikel geschickt, in dem steht, dass die Dunkelziffer bei Mord in der Schweiz viel höher ist, also extrem hoch ist im Vergleich zur tatsächlichen Mordrate, weil viele Fälle gar nicht als Mord erkannt werden.

  • Das ist hier nicht anders…

Wo es keine Obduktion gibt. Er sagt, theoretisch müsste man jeden Todesfall obduzieren, aber das geht zeitlich und finanziell gar nicht. Er hat mich dann auf die Idee gebracht, wenn es keine äußere Einwirkung gibt, also Stichwunden oder Schusswunden, dann ist man rasch bei der Schlussfolgerung, dass es eine natürliche Todesursache ist, das heißt, du brauchst eine Idee, wenn du jemanden ermordest, dass es von außen keine sichtbare Wunde gibt. Das hat mich dann auf die Idee zu der Mordmethode in „Rachewinter“ gebracht, du wirst das dann noch lesen.

  • Wenn du ein Buch schreibst, hast du dann die komplette Handlung schon im Kopf oder kommt das Schritt für Schritt?

Nein, nein, würde sie Schritt für Schritt kommen, passiert dasselbe wie mit 9 Jahren, nach 3 Seiten sind alle tot und der Roman geht dann nicht mehr weiter oder ich schreibe mich in verschiedene Sackgassen, die dann nicht mehr zusammenpassen. Nein, man muss das alles bis zum Schluss durchplotten.

  • Ich habe vor einiger Zeit mit Chris Carter geredet, der macht es zum Beispiel total anders. Er hat gesagt, er fängt wirklich mit nur einem Satz an und weiß selbst bis zum Ende nicht, wie alles ausgeht. 

Ich kann mir das persönlich nicht vorstellen, möglicherweise ist das eine Masche von Krimiautoren, die sagen, sie wissen bis zum Ende selbst nicht, wer der Mörder ist. Die Figuren entwickeln sich, die Handlung entwickelt sich, weil, es nimmt ja dem Leser die Faszination weg, wenn der Autor sagt, ich habe das Buch bis zum Schluss durchgeplant. Aber gerade bei einem Krimi muss ich wissen, wer der Mörder ist, was ist die Motivation des Mörders, warum ist er zu welchem Zeitpunkt an welcher Stelle und warum bringt er wen auf welche Art und Weise um. Das muss ich wissen, wenn ich das nicht weiß und drauf losschreib, dann muss ich schon ein verdammt großes Genie sein, dass das ganze am Schluss dann zu einer plausiblen Handlung führt.

  • Ramona: Jeder Autor ist ja auch anders…

Mag sein, dass man das aus dem Bauch heraus schreibt, aber es ist dann die Hölle, das zu überarbeiten.

  • Ja, er hat auch gesagt, er hat halt geschrieben, dann ist ihm eine Idee gekommen und er musste ganze Kapitel zurückgehen und alles umschreiben, weil er die Leute hat etwas anderes machen lassen…

Das passiert, wenn du erst am Schluss weißt, wer der Mörder ist. Dann musst du das von Anfang an logisch und plausibel überarbeiten, damit es genau dahin führt.

  • Beruhen deine Protagonisten auf Bekannten, Freunden, Familie?

Nein, gar nicht. Ich hab das früher bei meinen ersten Kurzgeschichten so gemacht, dass ich Figuren aus dem realen Leben, Freunde, Verwandte, Bekannte genommen habe und Geschichten geschrieben habe, beispielsweise eine Raumschiffcrew, das war dann die Mizi-Tante, der Peppi-Onkel, der Nachbar, mein bester Freund. Das hat aber nicht funktioniert, weil die Figuren sich so verhalten haben, wie sich die realen Personen verhalten hätten mit ihrem Background. Die Figuren müssen sich aber so verhalten, dass es zur Handlung passt. Es gibt Dinge, die es bei bestimmten Personen in der Realität gibt, das fließt dann schon mit ein, Macken und Kanten und Ecken …

  • Also würfelst du das dann aus verschiedenen Leuten zusammen?

Ja genau.

  • Hast du eine Lieblingsfigur in deinen Büchern?

Ja, einmal in „Code Genesis“ das Frettchen Charlie, das lockert ganz einfach alles auf, weil diese Figur ist ja im Prinzip – jetzt haben wir gerade vorher gesagt, dass ich Figuren aus dem normalen Leben nicht verwende, das stimmt nicht – denn das Frettchen Charlie ist mein Kater Charlie. Vom Charakter und von den Eigenschaften her ist es genau mein Kater, nur das Frettchen ist viel cleverer als mein Kater.

  • Katzen sind allgemein dumm, meine turnen selbst nach 2 Jahren immer noch am Badewannenrand entlang, obwohl sie nun langsam wissen müssten, dass sie immer wieder reinrutschen und ihnen das nicht gefällt…
  • Ramona: Aber wie kommt man verdammt noch mal auf einen Maarten S. Sneijder, einen vanilletrinkenden, jointrauchenden Ermittler, ich meine, die Joints, okay, das ist wegen seiner Cluster-Kopfschmerzen, aber wie kommt man auf so eine urkomische Figur? Das ist ja nicht mal gerade eben der normale Ermittler und Holländer noch dazu…

Also ich hab halt versucht, was neues, Originelles zu entwickeln. Diese Figur Maarten S. Sneijder ist am Reißbrett entstanden. Das ist jetzt nicht irgendwie so eine Eingebung gewesen, ich hab ihn nicht mitten in der Nacht plötzlich vor mir gesehen, wär schön, wenn es so funktioniert hätte, aber diese Figur ist in monatelanger Arbeit entstanden. Also als erstes hab ich da immer den österreichischen und den deutschen Handlungsstrang, die ich miteinander verzahne und verknüpfe und ich habe gewusst, diese Figur darf weder Deutscher, noch Österreicher sein, sondern ich mache etwas ganz anderes und nehme einen Niederländer, weil die mir sympathisch sind. Und wenn er Niederländer ist, dann könnte er ja kiffen, hab ich mir überlegt …

  • Schubladendenken…

Natürlich sind das sehr viele Klischees. Aber warum kifft er? Weil er Cluster-Kopfschmerzen hat. Dadurch, dass er Cluster-Kopfschmerzen hat, hat er noch sein Akkupunkturnadelset mit, womit er sich immer die Schmerzen an den Nervenpunkten rauszieht, ja und dann ist es mit den Überlegungen weitergegangen. In der ganzen Reihe bleibt er immer ein Single, er ist theoretisch schwul, er klaut Bücher in einer Buchhandlung, das ist ein asozialer Aspekt, aber er hat eine persönliche Fehde mit dieser Buchhandelskette.

  • Ramona: Wobei ich gerade das megasympathisch finde…
  • Sind die mal auf dich zugekommen und haben irgendwas gesagt? 

Du meinst weil die Buchstaben von Haital anders angeordnet z.B. auch Thalia ergeben? Also ich hab bis jetzt mit einigen Thalia-Filialleiterinnen gesprochen und die finden das eher amüsant und witzig. Ich erzähl das bei den Lesungen immer wieder und ich hab auch meine Lesungen bei Thalia. Thalia ist einfach ein zu großer Konzern, der kann über so ein Wortspiel drüber stehen.

  • Na ja, manche sind bei sowas ja immer etwas verbiestert und sehen das dann ein bisschen eng…
  • Ramona: Wobei ich das mit den Büchern total witzig fand, dass er da seine persönliche Fehde hat und die Bücher mitgehen lässt und da auch nicht von abgeht. Ich finde das ja -macht man nicht- aber ich finde das sympathisch in dem Moment.
  • Ja, das ist mal was anderes…

So hab ich über längere Zeit diese Figur entwickelt. Dann sind da noch diese 3 Finger, die er hochhält, also man kann nur in 3 kurzen und präzisen Sätzen mit ihm sprechen, weil er Smalltalk hasst. Er hasst auch Topfpflanzen, weil die ihm den Sauerstoff zum Denken nehmen, und so sind diese Ecken und Kanten im Laufe der Zeit entstanden.

  • Gibt es ein Tabuthema für dich, über das du niemals schreiben würdest?

Nein, das gibt es nicht. Ich habe sehr viele Tabuthemen in Romanen aufgegriffen, aber, was für mich ein Tabu wäre, ist, wenn ich ein Tabuthema in allen Details beschreiben würde. Klingt jetzt sehr kryptisch, ich meine folgendes: Beispielsweise Pädophilie in „Todesurteil“. An der Akademie des Bundeskriminalamtes unterrichtet Maarten S. Sneijder, er bringt einen pädophilen Fall vor seinen Studenten und zeigt Fotos vom Tatort, das ist ein Tabuthema, das habe ich aufgegriffen, aber ich beschreib diese Fotos nicht. Sondern in der nächsten Szene gehen die Studenten aus dem Hörsaal in die Toiletten und übergeben sich. Das heißt, ich präsentiere nachher die Folgen und die Konsequenz und was dazwischen ist, wird der Fantasie des Lesers überlassen, das beschreibe ich nicht. Ach ja, und um noch einmal auf die Frage zurückzukommen, Maarten S. Sneijder ist natürlich auch eine meiner Lieblingsfiguren.

  • Eine Letzte Frage habe ich noch: Was verbindet dich mit Leipzig? Meine Heimatstadt Taucht ja immer wieder in deinen Büchern auf, Warum?

Die Lesung meines ersten Romans „Der Judas-Schrein“ fand in Leipzig statt, weil ja damals der FESTA-Verlag in Leipzig saß. Da durfte ich diese tolle Stadt und den wunderschönen Zoo kennen lernen. Und als ich dann mit der Rache-Reihe den Ermittler Walter Pulaski erfunden habe, war für mich klar, dass er beim Leipziger Kriminaldauerdienst arbeiten muss.

  • Wir danken für das unterhaltsame Gespräch und wünschen dir eine gute Heimreise, vielleicht ja bis zur Buchmesse im nächsten Jahr.

Ja, danke, und euch auch alles Gute.

Wer jetzt tapfer bis zum Ende durchgehalten hat, wird natürlich auch belohnt, diesmal gibt es eine beim Interview signierte Ausgabe von „Rachewinter“ zu gewinnen.
Bis zum 14. April um 12 Uhr habt ihr Zeit, mir einen Kommentar zu hinterlassen, warum ihr das Buch unbedingt haben wollt, am Ende wird darüber das Los entscheiden.
Aber denkt daran, wie immer zählen nur die Kommentare direkt unter dem Blogbeitrag oder hier auf der Facebookseite, alle anderen kann ich leider nicht berücksichtigen.


Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und lebt als freier Autor mit seiner Frau und fünf Katzen in Grillenberg in Niederösterreich.Mit seinen mehrfach preisgekrönten Romanen steht er regelmäßig auf den Bestellerlisten. Darüber hinaus erschienen seine Bücher als Übersetzung in Frankreich, Italien, Brasilien, Türkei, Japan, Korea, Russland, Tschechien, Slowakei und Polen. Nominiert für den Friedrich-Glauser-Krimi-Preis des Syndikats, Preisträger des Skoutz-Awards, des Leo-Perutz-Krimi-Preises der Stadt Wien, der Herzogenrather Handschelle, dreifacher Gewinner des Vincent Preises und dreifacher Gewinner des Deutschen Phantastik Preises. Gruber ist Erfinder der Rache-Reihe um den kauzigen Ermittler Walter Pulaski und der Todes-Reihe um den niederländischen Profiler Maarten S. Sneijder. Gruber gibt Schreibworkshops, spielt leidenschaftlich gern Schlagzeug und wartet bis heute vergeblich auf einen Anruf der Rolling Stones.

»Schriftstellerei bedeutet für mich, dass ich interessante Figuren erfinden darf, ohne in der Psychiatrie zu landen – und Menschen auf originelle Weise ermorden kann, ohne im Gefängnis zu landen. Aber sonst bin ich ein netter Kerl.«
– Andreas Gruber –

»Verdomme! Andreas Gruber ist ein absolut verrückter Kerl mit einer unglaublichen Fantasie, vor der sogar ich manchmal Angst bekomme.«
– Maarten S. Sneijder –

Weitere Infos unter: www.agruber.com, www.facebook.com/Gruberthriller

Kurzgeschichten Werk-Ausgabe:
• Northern Gothic, Horror-Erzählungen, Luzifer, 2015
• Apocalypse Marseille, SF-Erzählungen, Luzifer, 2016
• Jakob Rubinstein, Krimi-Novellen, Luzifer, 2017
• Der fünfte Erzengel, Horror-Erzählungen, Luzifer, 2017
• Ghost Writer, Horror-Erzählungen, Luzifer, 2018
• Die letzte Fahrt der Enora Time, SF-Erzählungen, Luzifer, 2018
• Dinner in the Dark, Crime-Storys, Luzifer, 2019

Jugend-Roman:
• Code Genesis – Sie werden dich finden,  Abenteuerroman, cbj, 2019

Horror-Romane:
• Der Judas-Schrein,  Mystery-Thriller, Hockebooks, 2005
• Das Eulentor,  Mystery-Thriller, Hockebooks, 2007

Elena Gerink Reihe:
• Herzgrab, Thriller, Goldmann, 2013

Peter Hogart Reihe:
• Die schwarze Dame,  Thriller, Goldmann, 2017
• Die Engelsmühle, Thriller, Goldmann, 2018

Walter Pulaski Reihe:
• Rachesommer, Thriller, Goldmann, 2011
• Racheherbst, Thriller, Goldmann, 2015
• Rachewinter, Thriller, Goldmann, 2018

Maarten S. Sneijder Reihe:
• Todesfrist, Thriller, Goldmann, 2013
• Todesurteil, Thriller, Goldmann, 2015
• Todesmärchen, Thriller, Goldmann, 2016
• Todesreigen, Thriller, Goldmann, 2017
• Todesmal, Thriller, Goldmann, 2019

Fotocredit: Anett Schwertner, Michael Adam, Barbara Wirl

Veröffentlicht unter Interviews | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 10 Kommentare

„Rachewinter“ – Andreas Gruber

Eigentlich bin ich ja froh, dass es draußen endlich Frühling wird, trotzdem habe ich mir die kalte Jahreszeit mit Andreas Grubers „Rachewinter“ noch einmal ganz freiwillig ins Haus geholt, denn natürlich wollte ich wissen, was Evelyn Meyers und Walter Pulaski im Schneegestöber erwartet…

Diesmal beginnt alles in Wien, zwei Arbeiter beobachten vom Dach aus amüsiert ein Pärchen beim Liebesspiel, dass sie mit dem Handy filmen, bis alles außer Kontrolle gerät.
Nachdem sie erst feststellen müssen, dass es sich um Männer handelt, fließt auch noch Blut und einer der beiden bleibt als Leiche zurück, anhand des Mitschnittes hat man jedoch schnell einen Verdächtigen.
Michael Kotten ist der Sohn eines einflussreichen Geschäftsmannes und natürlich sucht er sich ausgerechnet Evelyn Meyers als seine Verteidigerin aus.
Die ahnt schnell, dass ein arbeitsreicher Fall auf sie und ihren Assistenten Flo zukommt, denn ausgerechnet ihr Mentor vertritt die Gegenseite, er will der Familie Kotten unbedingt das Handwerk legen und dafür scheint ihm jedes Mittel recht zu sein.
Evelyn lernt Michael in ihren Gesprächen als ruhigen, sehr nachdenklichen Menschen kennen, der sich als Frau fühlt und zu dem ein solch brutaler Mord eigentlich überhaupt nicht passt, doch in der Untersuchungshaft gesteht er schließlich.
Warum?
Irgendetwas scheint hier nicht zu passen…
Auch Pulaski in Leipzig schlägt sich mit einer Mordermittlung herum, allerdings eher inoffiziell, denn der Vater der Freundin seiner Tochter wird tot in einem Motelzimmer aufgefunden.
Anfangs sieht alles nach einem Unfall aus, doch einige Details lassen ihm einfach keine Ruhe und dann mischt sich auch noch sein Nachwuchs und die Tochter des Toten in die Ermittlungen ein…

Beginnen wir diesmal zur Abwechslung mal mit dem Cover, die Rache-Reihe wurde ja einer kleinen Aufhübschung unterzogen, während der Sommer in rot erstrahlt, ist der Herbst grün und der Winter hat einen blauen Schriftzug abbekommen, so passen alle drei Bände jetzt auch optisch sehr gut zusammen.
Ich habe die ersten beiden noch in der alten Aufmachung und vielleicht werde ich sie mir tatsächlich noch einmal zulegen, denn ich finde das neue Design sehr gelungen.
Aber Kleider machen ja bekanntlich keine Leute und auch bei einem Buch kommt es in erster Linie auf den Inhalt an, auf den Schreibstil, die Protagonisten und was soll ich sagen, ich mag den mürrischen Pulaski einfach.
Auch wenn er permanent schlechte Laune zu verbreiten scheint, ist er dennoch nicht auf den Kopf gefallen und Evelyn ist natürlich das passende Gegenstück dazu.
Ihr Assistent Flo lockert das Geschehen mit seiner Art immer mal wieder auf, was der Story sehr gut tut und auch der kleine Ausflug in die Gender-Thematik ist sehr informativ.
Einzig das Ende hat mich dann ein bisschen zu sehr an James Bond erinnert und so gibt es ein kleines Pünktchen Abzug, trotzdem gibt „Rachewinter“ immer noch 4 von 5 Blutlachen und unbedingt eine Leseempfehlung, nicht nur für Gruber-Fans.

• Autor:                                    Andreas Gruber

• Verlag:                                  Goldmann

• Format:                                 Klappbroschur

• Seitenzahl:                          588 Seiten

• ISBN:                                      978-3-442-48655-7

 Genre:                                   Thriller

• Bewertung:

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Die Lüge“ – Mattias Edvardsson

Adam Sandell ist Pfarrer, liebt seine Familie, bestehend aus Frau Ulrika und der 19-jährigen Tochter Stella über alles, auch wenn sich Stella immer mehr von ihm zu entfernen scheint.
Sie lebt ihr eigenes Leben, reagiert oft schnippisch auf Fragen, kommt und geht, wie sie lustig ist.
Das gute Verhältnis von früher existiert nicht mehr, man hat sich nicht mehr so viel zu sagen und so ein bisschen schwierig war Stella ja schon immer.
Als sie eines Nachts spät nach Hause zurückkehrt, hat er ein ungutes Gefühl, dass sich noch verstärkt, als in der Nähe die Leiche eines Geschäftsmannes gefunden wird und er Stellas Bluse voller Blutflecken in der Waschmaschine entdeckt.
Kurz darauf wird sie von der Polizei abgeholt und landet in Untersuchungshaft.

„… Als Eltern glaubt man nicht, dass man den Namen seines Kindes in einem solchen Zusammenhang hören wird. Niemand, der sein Kind auf der Brust liegen gehabt hat mit strampelnden Minifüßen und gurgelndem Lachen kann sich so etwas vorstellen. Das trifft nur andere. Nicht uns.
Ich hielt Ulrika fest an der Hand. Wir sind doch nicht solche Eltern, dachte ich. Wir haben keine Drogenprobleme, wir sind gut verdienende Akademiker. Wir sind gesund, körperlich wie psychisch. Wir sind keine kaputte Familie aus einem Glasscherbenvorort mit sozialen und finanziellen Problemen.
Wir waren eine ganz normale Familie. Eigentlich sollten wir gar nicht dort sitzen. Und dennoch taten wir es. …“ (Seite 82)

Für Adam ist die Familie das höchste Gut, etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt und so gibt er seiner Tochter ein Alibi für die Tatzeit, er lügt die Polizei ganz bewusst an, was ihm anfangs sehr zu schaffen macht, immerhin ist er als ein Vertreter Gottes, zur Wahrheit verpflichtet…

“ … Ich holte Luft. Ich hasste Lügen …
Es fühlte sich nicht ganz so schlimm an, wie ich befürchtet hatte. Als nutzte sich mein innerer Widerstand mit jedem Mal, wenn ich eine Lüge aussprach, etwas mehr ab …“ (Seite 72)

Ich muss gestehen, eigentlich bin ich kein Freund der Ich-Erzählung, trotzdem hat mich Mattias Edvardsson mit „Die Lüge“ gleich auf den ersten Seiten vollkommen in seinen Bann gezogen und gespannt habe ich Adam, Pfarrer und Vater der des Mordes angeklagten Stella, gelauscht.
Viele der angesprochenen Probleme kommen einem als Mutter einer fast gleichaltrigen Tochter natürlich bekannt vor und so kann man richtig mitfühlen.
Er erzählt von seiner Musterfamilie, dem tollen Leben, aber auch davon, wie er sich langsam immer mehr von seiner Tochter entfernt.
In ihrer Jugend wird der Umgang mit ihr immer schwieriger, aber ist sie tatsächlich zu einem Mord fähig?
Doch nicht nur Adam kommt zu Wort, nach ihm folgt Stella, die im Gefängnis sitzt und über ihr Leben nachdenkt.
Sie sieht die Dinge vollkommen anders als ihr Vater und fand ich sie vorher kalt und unbeherrscht, so wird hier ein gänzlich anderes Bild von ihr gezeichnet, sie ist unsicher, weiß nicht, wohin im Leben, hat Angst…
Auch die Mutter hat einiges zu sagen und so zerbricht das Leben der Bilderbuchfamilie immer mehr, jeder hat Geheimnisse vor den anderen, nichts ist wirklich, wie es scheint, alles gerät in einen Strudel aus Lügen.
Die Figuren sind gut gezeichnet, man lernt Adam kennen und hält ihn für einen sympathischen und guten Vater, der mit seiner rebellischen Tochter zu kämpfen hat, aber ist das auch wirklich so?
Und ist Stella wirklich das kaltherzige, verantwortungslose Ding, als das sie hingestellt wird?
Welche Rolle spielt Amina, Stellas beste Freundin, die immer als die bravere und vernünftigere von beiden dargestellt wird in der ganzen Sache?
Fragen über Fragen…
Das Cover mit dem Unwetter, dass sich über dem Haus am See zusammenbraut, passt zum Inhalt wie die Faust aufs Auge, denn auch hier versinkt jeder langsam in seiner eigenen Dunkelheit.
Ja, „Die Lüge“ hat mich positiv überrascht und so gehen 4,5 von 5 Blutlachen an Mattias Edvardsson und seine etwas andere Familiengeschichte.

• Autor:                                    Mattias Edvardsson

• Verlag:                                  Limes

• Format:                                 Klappbroschur

• Seitenzahl:                          543 Seiten

• ISBN:                                      978-3-8090-2705

 Genre:                                   Thriller

• Bewertung:

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Ungeheuer“ – Jesus F. Gonzalez, Wrath James White

„Ungeheuer“ ist die Fortsetzung von Jesus F. Gonzales „Snuff Killers“, die er leider nicht selbst beenden konnte und so ist, zumindest teilweise, Wrath James White für ihn in die Presche gesprungen und der hat seine Sache gut gemacht, das muss man ihm lassen.
Das Buch besteht aus 2 Novellen, „Ungeheuer“ von Gonzalez und „Tiere“ von White, wobei es bei letzterem deutlich brutaler zur Sache geht.
Zwischen beiden Stories findet man noch drei, ich nenne es mal Fragmente von Gonzalez, Kurzgeschichten, wie es auf dem Klappentext steht, trifft es, wie ich finde, nicht so ganz, denn es sind wirklich nur kurze Ausführungen, deswegen werde ich darauf auch nicht näher eingehen.
„Snuff Killers“ muss man übrigens nicht unbedingt gelesen haben, um in diese düstere, dreckige Welt eintauchen zu können, allerdings trifft man erneut auf eine Person aus diesem Werk und lernt sie und ihre Vorlieben etwas näher kennen.
Lange Rede, kurzer Sinn, kommen wir zum Inhalt.

„Ungeheuer“: Melanie geht noch zur Schule, ihre beiden älteren Geschwister Miriam und Mark sind längst ausgezogen und führen ein eigenes Leben.
Während Miriam den Kontakt zur Familie aufrecht hält, hat sich Mark mit seinem Vater zerstritten und lässt nur selten etwas von sich hören.
Mutter Mabel ist Mitglied in verschiedenen Clubs und so mit Freunden öfters unterwegs, doch als sie abends nicht wie abgesprochen auftaucht, macht sich Mel Gedanke, ganz im Gegensatz zu ihrem Vater, der weiterhin seinem Hobby, dem Trinken, nachgeht.
Irgendwann tauchen schließlich Bruder und Schwester auf, die sich doch etwas mehr zu sorgen scheinen und sich irgendwie merkwürdig verhalten, fast so, als würden sie etwas verbergen.
Kurzum, in der Familie scheinen Dinge zu passieren, von denen Melanie keine Ahnung hat und ja mehr sie darüber nachdenkt, um so unheimlicher wird ihr das Ganze…

„Tiere“: Nach einem erschreckenden Anruf von Mike machen sich seine Freunde auf die Suche nach ihm.
Alles, was die Teenager wissen, ist, dass er ab und nach New York fährt und sich dort mit ein paar schnellen Nummern Geld verdient, seine Kunden sind allerdings nicht immer ganz harmlos, dafür aber zahlen sie gut.
Nun hat Mike ein Angebot für einen Film, einen schrägen Film und Lee, Brian, Nick, Darlene und Jim befürchten Schlimmes und wollen ihm den Dreh ausreden, also brechen sie kurzentschlossen in die Großstadt auf, um Mike zu Suchen.
Tatsächlich finden sie ihn, doch er will seinen Job unbedingt durchziehen und flüchtet, während seine Freunde ihn verfolgen und dabei im wahrsten Sinne des Wortes in der Hölle landen…

Wie der Titel und auch das Cover verraten, geht es hier ziemlich hart zur Sache, dessen sollte man sich bewusst sein, aber dafür erscheint der Titel ja auch in der Extrem Reihe, die Dame mit der netten Apparatur auf dem Kopf und dem Knebel im Mund lässt auf jeden Fall nichts Gutes erahnen.
Während Jesus F. Gonzales Geschichte noch recht ruhig beginnt, man aber bereits erahnen kann, dass hinter diesen Mauern so einiges nicht mit rechten Dingen zugeht, verschwendet Wrath James White keine Zeit und wirft einen gleich mitten ins Geschehen, was mir persönlich lieber ist.

Fazit: Ein netter, kleiner, blutiger Ausflug in Mabels Welt, der sicher nicht jedem bekommen dürfte, mich aber gut unterhalten hat, 4 von 5 Blutlachen und ich glaube, mit den Rezepten muss ich mich bei Gelegenheit nochmal näher beschäftigen…^^

• Autor:                                    Jesus F. Gonzalez & Wrath James White

• Verlag:                                  Festa

• Format:                                 Taschenbuch

• Seitenzahl:                           245 Seiten

• ISBN:                                      / (Festa Extrem)

 Genre:                                   Horror

• Bewertung:

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar