„Klube & the Bates“ – Christof Dörr

Aber wir haben vergessen, uns gegenseitig zu fragen, wie es dem anderen geht…

Der 18. Juni 2006 war ein schwarzer Tag für Bates-Fans und ich muss gestehen, auch mich hat es damals eiskalt erwischt.
Die Bates haben mich sehr lange begleitet, ich erinnere mich noch genau, dass ich Zimbl zum ersten Mal in einem Hotelfahrstuhl in irgendeinem Kleckerkaff am Arsch der Welt getroffen hab und ziemlich erschrocken war.
Beim letzten Mal saß er nach einem Konzert hier in meiner Küche und trällerte „Paint it black“ von den Stones zur Gitarre, es war weit nach Mitternacht und eine Nachbarin wagte es sich, Sturm zu klingeln.
Zimbl meinte nur, er würde das erledigen, noch geschminkt vom Auftritt riss er die Tür auf und blökte ihr ein freundliches „Buh“ entgegen.
Gut, sie hat 3 Wochen nicht mehr mit mir geredet, aber das war es definitiv wert.
Dazwischen lagen so viele andere Erlebnisse und Konzerte, Würstchenparties auf Hotelfluren und deshalb ist das Buch nach Erscheinen bei mir auch erstmal auf den SUB gewandert, denn mir war klar, dass ich wohl das eine oder andere Tränchen vergießen würde…

„… Das ist schon komisch, denn eigentlich sollte die erfolgreiche Zeit, in der sich unsere Träume endlich erfüllt haben, ja die glücklichste Zeit meines Lebens sein. Ich sollte hier sitzen und mit leuchtenden Augen von dieser Zeit erzählen. So ist es aber nicht. Es ist eher so, dass ich unglaublich nachdenklich werde, wenn ich von den 90er-Jahren mit den Bates erzähle. Dabei spielt natürlich auch diese ganze Zimbl-Geschichte eine Rolle. Da ist halt einer von uns gestorben. Das war so einschneidend. Und der Grundstein für diesen Tod wurde während der ganzen unfassbar geilen Jahre gelegt. Deshalb liegt für mich über dieser ganzen Zeit ein großer, dunkler Schatten…“  (Klube, Seite 87)

Gestern Abend war ich dann endlich in der entsprechenden Stimmung, hab das Buch aus dem Regal gezottelt und mich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben.
Bereut habe ich es nicht, aber ein bisschen Wehmut schwang trotzdem mit, manchmal hätte ich Klube am liebsten einfach in die Arme genommen, denn man spürt richtig, wie nahe ihm das Ganze immer noch geht.

Aber zurück zum Buch an sich, die kurzen Kapitel tragen zum größten Teil Songnamen der Band, eine wirklich geniale Idee, wie ich finde, das habe ich so bisher auch noch nicht gesehen (oder besser gelesen), außerdem gibt es 2 Fototeile.
Zum größten Teil kommt natürlich Klube zu Wort, immerhin war er ja auch Zimbls bester Freund, er erzählt, wie er zur Band kam und das es eigentlich keine Liebe auf den ersten Blick war.
Es geht um Bandproben, Parties, Besetzungswechsel, die ersten Plattenaufnahmen.
Und dann kommt der Erfolg in den 90ern, spätestens mit „Billy Jean“ kommt (fast) keiner mehr an der Punkband aus Eschwege vorbei.
Doch so sehr man sich freut, endlich da angekommen zu sein, wo man schon immer hin wollte, so verliert man doch andere entscheidende Dinge aus den Augen und das Drama nimmt seinen Lauf.

„… Zimbls Eltern haben mich dann darum gebeten, als Pfarrer die Beerdigung für ihn abzuhalten. Das war für mich unglaublich emotional. Ich hatte noch nie einen Freund beerdigt. … Nach der Beerdigung, nach dem Segen am Grab, hab ich meinen Talar ausgezogen, mich auf den Boden gesetzt und nur noch geweint. Plötzlich war alles wieder da. Meine Jugend als Musiker, die bis dahin in meinem neuen Leben nur noch ein Mythos war, war in diesem Moment wieder präsent. Und gleichzeitig auch vorbei …“ (Armin, Seite 75)

Natürlich kommen auch alle anderen ehemaligen Bandmitglieder zu Wort und ich finde es sehr gelungen, dass Klube am Ende der jeweiligen Kapitel diese noch einmal aus seiner Sicht kommentiert.

Außerdem finde ich es toll, dass dieses Buch eben keine knallharte Abrechnung mit dem Musikbusiness ist, er ist nicht verbittert, ein bisschen melancholisch vielleicht, aber dass kann man nachvollziehen.
Wenn man jahrelang fast jeden Abend auf der Bühne gestanden hat und das dann von einem Tag auf den anderen endet, kann man schon mal in ein Loch fallen.
Wichtig ist, dass man sich wieder aufrappelt und nicht in der Vergangenheit lebt, das scheint ihm gelungen zu sein, auch wenn der Weg dahin mit Sicherheit ein harter war.
Wie auch immer, Klube, ich wünsch dir, dass du dir die Freude an deinem zweiten Leben und deinem Job erhälst, aber geil war es damals trotzdem.
Man darf eben nur nicht vergessen: „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ mag ein tolles Lebensmotto sein, es kann einem aber eben auch das Genick brechen…

„… Heute würde ich vieles, vieles anders machen, weil die letzte Konsequenz natürlich maximal bitter war. Aber was soll man sagen? Charakterschwäche? Ohnmacht? Das ist superschwierig. Was ist noch Rock’n’Roll, und was ist schon Krankheit? …“ (Klube, Seite 190)

Ja, es gibt Bücher, die sprechen nur eine relativ kleine Zielgruppe an und das ist definitiv hier der Fall, dafür fahren die Gefühle so ein bisschen Achterbahn und man schwelgt in Erinnerungen.
Schon alleine dafür bekommt „Klube & the Bates“ von mir volle Punktzahl.

• Autor:                                    Christof Dörr

• Verlag:                                  Schwarzkopf & Schwarzkopf

• Format:                                 Taschenbuch, broschiert

• Seitenzahl:                           277 Seiten

• ISBN:                                      978-3-86265-745-2

 Genre:                                   Biografie

• Bewertung:

Dieser Beitrag wurde unter Rezensionen abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.