„The Silence“ – Tim Lebbon

Wenn nur noch Stille dich umgibt …

Ein paar Leute meinten gleich nach dem Lesen des Klappentextes: „Hey, das klingt ja wie „A quiet Place“…“, da der Film zwar schon ewig auf meiner Liste steht, ich ihn aber bis heute nicht gesehen habe, vermag ich nicht zu sagen, ob beide tatsächlich mehr als das Stille-Thema verbindet.

Fest steht, das Tim Lebbon seine Hauptprotagonistin von Anfang an am Untergang der Welt, so wie wir sie kennen, teilhaben lässt.
Ally lebt mit ihrer Familie, bestehend aus Vater Huw, Mutter Kelly, Oma Lynne und dem kleinen Bruder Jude, sowie Familienhund Otis in England.
Gespannt verfolgt sie einen Live-Bericht über Forscher, die ein neues Höhlensystem in Moldavien entdeckt haben und nun erkunden wollen (dass es selten gutgeht, wenn man in unentdeckte, in sich abgeschlossene Ökosysteme eindringt, wissen wir ja spätestens seit „The Descent“).
Als sie vom Abendessen zurückkommt, läuft die Live-Schaltung immer noch, aber etwas hat sich verändert, es gibt Leichen und Blut.
Die toten Höhlenforscher sind das Thema des Tages, bis es eine neue Schreckensmeldung gibt, immer mehr Berichte über seltsame Flugwesen, die Menschen angreifen, töten und fressen tauchen aus Rumänien auf und Huw, der als Ingenieur auswärts arbeitet, macht sich besorgt auf den Rückweg zu seiner Familie, denn irgendetwas scheint da draußen vorzugehen, auf den Straßen beginnt sich das Chaos auszubreiten, weil die Leute abgelenkt durch die neuesten Berichts auf dem Handy die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verlieren.

„… Er überlegte, ob er den Notruf wählen sollte. Nicht mein Problem, dachte er und war schockiert über sich selbst, denn an jedem anderen Tag hätte er es zu seinem Problem gemacht. Heute war aber nicht jeder andere Tag. …“ (Seite 77)

Die fledermausartigen Wesen, kurz Vesps genannt, breiten sich immer schneller immer weiter aus, aus Großstädten kommt es zu wahren Horrormeldungen, aber noch glaubt man, dass man auf der Insel sicher ist.
Als die Monster jedoch weiter nach Frankreich und Österreich vordringen, macht sich langsam auch Panik in der Familie breit.
Man weiß nicht viel über die neue Bedrohung, außer, dass sie Menschenfleisch lieben, blind sind und auf Geräusche zu reagieren scheinen, da Huws Eltern einmal ein Haus in der Abgeschiedenheit Schottlands besaßen, beschließt man kurzerhand, sich dorthin auf den Weg zu machen.

… Es war ein altes Zimmer, angefüllt mit Dingen, die auf einmal nicht mehr wichtig schienen. Meine CDs, meine Bücher, meine Schminksachen, meine Poster, die Trophäen, die ich errungen hatte.
Nichts davon spielte länger eine Rolle.
Ich hatte gerade im Fernsehen verfolgt, wie Menschen gestorben waren. Wozu brauchte ich Schminke? Wie konnte ich nur in Erwägung ziehen, ein Buch mitzunehmen? …“ (Seite 125)

Kurz vor dem Aufbruch kommt die Nachricht herein, dass die Flatterwesen nun auch England erreicht haben, die Leute drehen durch, es kommt zu Plünderungen, gewalttätigen Übergriffen das Chaos bricht aus und dann kommen sie, die ersten Vesps…

„The Silence“ von Tim Lebbon ist als signierte Vorzugsausgabe im Buchheim Verlag erschienen, begrenzt auf 777 Exemplare.
Der Preis von 69,99 Euro mag zunächst abschrecken, (ich muss gestehen, es ist auch das teuerste Buch, dass ich mir bisher geleistet habe) allerdings bekommt man dafür auch einiges geboten.
Angefangen beim geprägtem Cover, dass ein Mädchen zeigt, welches den Zeigfinger an die Lippen hält, die Aufforderung zu schweigen, wie passend…
Auch die Illustrationen von Daniele Serra sind eine Augenweide und es sind einige.
Was ich allerdings total faszinierend fand, einfach, weil ich es vorher in noch keinem anderen Buch gesehen habe, sind die farbigen Aufzeichnungen der Geschehnisse, alles, was irgendwer niedergeschrieben hat, erscheint farbig und nein, das allein ist nichts neues, aber die Farben ändern sich, im ersten Teil („Lärm“) ist es Rot, die Signalfarbe schlechthin, im zweiten („Stille“) wechselt es zu einem Gelbton und schließlich am Ende („Grau“) zu Graublau.
Doch nicht nur die Aufmachung an sich weiß zu überzeugen, auch die Geschichte hat es in sich.
Ally, die vor Jahren bei einem Autounfall ihr Gehör verloren hat, kennt die Stille, die nun sie alle umgibt.
Durch das gehandicapte Mädchen beherrschen die Familienmitglieder die Zeichensprache und sind so den anderen gegenüber etwas im Vorteil.
Andererseits haben sie Otis und wie zum Teufel bringt man einem Hund bei, dass er nicht bellen darf, wenn man überleben will?
Wie frustrierend ist es, wenn man erkennen muss, dass man allein am Besten aufgehoben ist, da jeder zusätzliche Begleiter die Gefahr eines unbeabsichtigten Geräusches erhöht?
Dass es keinen Zusammenhalt mehr gibt und jeder für sich selbst kämpfen muss?
Der Mensch ist ein Herdentier, ständig umgeben von Unterhaltungen, Handys, Musik, aber genau das bringt jetzt den Tod.

Huw ist eben kein Superman, tut trotzdem alles, um seine Familie zu beschützen und muss dabei einige unschöne Entscheidungen treffen und auch der
10-jährige Jude, der anfangs noch ein übermütiges Kind ist, muss quasi über Nacht erwachsen werden.
Meine persönliche Lieblingsfigur ist jedoch Großmutter Lynne, eine toughe alte Dame, die sich trotz fortschreitender Krebserkrankung zu wehren weiß.
Alles in allem ist mir jedoch die gesamte Familie ans Herz gewachsen, ich habe mit ihnen gelitten und mich mit ihnen gefürchtet, so bleibt mir gar nichts anderes, als volle Punktzahl, also 5 von 5 Fliegenklatschen, zu vergeben.
PS: Im Mai kommt übrigens die Verfilmung ins Kino, auf die ich jetzt sehr gespannt bin…

• Titel:                                      „The Silence“

• Autor:                                    Tim Lebbon

• Verlag:                                  Buchheim

• Format:                                 Hardcover

• Seitenzahl:                           431 Seiten

• ISBN:                                      / Vorzugsausgabe

 Genre:                                   Horror

• Bewertung:

 

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