Interview Tim Lebbon und Daniele Serra, Leipziger Buchmesse, 23.03.2019

Die wunderschön aufgemachte Sammlerausgabe von „The Silence“ aus dem Buchheim Verlag habe ich ja bereits vorgestellt, zur Buchmesse hatte ich nun die Gelegenheit mit Autor Tim Lebbon  und Illustrator Daniele Serra über das Werk und einige andere Dinge zu philosophieren.
An dieser Stelle natürlich erstmal ein dickes Dankeschön an Olaf von Buchheim, der das Treffen mit den beiden sympathischen Herren möglich gemacht hat, die mich kurzerhand nach draußen auf den Parkplatz entführten, weil es drinnen in der Halle einfach viel zu laut war.
Aber als Vorwarnung für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, ein paar Fragen könnten etwas spoilern.

  • Hallo Daniele, hallo Tim, ich freue mich, dass ihr euch Zeit für mich genommen habt, fangen wir an.
    Kanntet ihr beiden euch vor der Zusammenarbeit an „The Silence“ und habt ihr euch wegen der Zeichnungen abgesprochen?

Tim: Wir kannten uns schon und ich finde Danieles Arbeiten toll, deswegen habe ich ihm freie Hand gelassen, es gab keinerlei Vorgaben.
Ich finde es besser, wenn man dem Illustrator freie Hand lässt und bei Daniele habe ich mir da keine Gedanken gemacht.

Daniele: Nein, ich hatte keinerlei Vorgaben und konnte mich austoben.

  • Daniele, du hast schon viel gezeichnet, ich muss immer an Pinhead denken. Woran arbeitest du gerade?

Daniele: Ich widme mich gerade E. T. A. Hoffmann, kennst du ihn?

  • Natürlich, er war ein deutscher Autor.
    (womit wir die Themen Allgemeinbildung und Geschichte abgearbeitet hätten^^)
    Tim, du hast über 40 Bücher und Geschichten geschrieben, aber nur ein Bruchteil davon ist in Deutschland erschienen. Können wir uns bald auf einige mehr freuen?

Tim: Ich denke schon, ich habe mit Olaf darüber geredet. Es gibt zwar noch keine genaueren Pläne, aber es würde mich natürlich sehr freuen.

  • Du hast ja auch einige Alien und Predator Bücher geschrieben, welches ist dein Lieblingsmonster?

Tim: Alien natürlich, eine großartige Schöpfung von Giger, was für eine Frage.

Daniele: Von mir wird es übrigens bald einen Alien Comic geben.

(Beide grinsen wie 2 kleine zufriedene Jungs, Alien scheint ein Thema zu sein, das allgemein immer wieder gut ankommt, muss ich mir merken…)

  • Du hast schon mit einigen Autoren zusammengearbeitet, ich sage nur, Christopher Golden. Gibt es noch jemanden, der auf deiner Wunschliste steht?

Tim: Tatsächlich schreibe ich schon wieder gemeinsam mit Christopher an einer Kurzgeschichtensammlung und es ist schon eine ganze Menge fertig.

Wie muss ich mir das vorstellen, schreibt ihr abwechselnd?

Tim: Jeder schreibt ein Kapitel und dann überarbeiten wir das Ganze.

Zurück zu „The Silence“, wie bist du auf die Idee gekommen?

Tim: Das kann ich gar nicht mehr sagen, sie spukte mir vor ungefähr 5 Jahren im Kopf herum.

Hast du von Anfang an geplant, die Geschichte aus der Sicht eines Teenagers zu schreiben und war es schwer für dich, dich in ein Mädchen hineinzuversetzen?

Tim: Mit dem Teenager an sich hatte ich keine Probleme, aber Ally ist ja auch noch taub, was die Sache um einiges schwerer machte, denn damit kannte ich mich überhaupt nicht aus und musste viel recherchieren.

  • Ich persönlich mochte ja Lynne sehr gerne, sie war eine toughe Frau.
    War es schwer für dich, sie sterben zu lassen?

Tim: Als Autor ist es immer schwer, einen Charakter gehen zu lassen, aber schlimmer als Lynne war…

  • Lass mich raten, der Hund^^

Tim: Genau, der Hund, ich bin ein großer Tierfreund und hatte selbst einen Hund, so war das wirklich hart für mich.

  • Ja, ich kenne das. Chris Carter hat mir vor einiger Zeit erzählt, er kann die Leute in seinen Büchern auf die grausamste Art und Weise ermorden lassen, es ist okay, aber dann ist in einem Buch eine Katze getötet worden und die Leute sind Sturm gelaufen…

Tim: Ja, so ist das bei Tieren, aber es war wichtig für die Handlung.
Genauso wie die Beziehung zwischen den Geschwistern.
Die beiden lieben sich, necken sie aber eben auch immer wieder.

  • Eine normale Bruder-Schwester-Beziehung eben.

Tim: Ja genau, ich habe meine beiden Kinder als Vorbilder genommen, genauso wie den Rest der Familie.
Als meine Frau dann das Buch gelesen hat, meinte sie nur: „Hey, das sind ja wir.“

  • Gut, eigentlich wollte ich als nächstes fragen, ob deine Protagonisten auf Freunden oder Familie beruhen, das hätten wir damit bereits geklärt, also weiter im Text.
    Der Film kommt im Mai in die Kinos, hattest du ein Mitspracherecht bei der Besetzung oder dem Aussehen der Vesps?

Tim: Bei der Besetzung hatte ich nichts zu sagen und auch beim Aussehen nicht, aber ich kann dir schon mal ein Bild zeigen. (kramt nach seinem Handy)
Es gab allerdings ein paar Probleme mit dem Drehbuch, der Regisseur mich angerufen und wir haben darüber geredet.
Ich habe übrigens auch einen Cameo-Auftritt.

(Tim zeigt mir stolz ein Bild und ich muss lachen, okay, irgendwie habe ich nichts anderes erwartet, denn natürlich liegt er in einer Ecke als Leiche rum.^^)

  • Kommen wir zum Ende, wie gefällt euch beiden die deutsche Ausgabe zu „The Silence“, seid ihr zufrieden damit?

Tim: Olaf hat einen wundervollen Job gemacht, auch die Idee mit den Farben, ich liebe es, für mich bisher mein schönstes Buch.

Daniele: Ich bin sehr zufrieden damit.

  • Ich danke euch beiden für das Interview, natürlich werde ich ins Kino gehen und mir den Film ansehen.
    Und Tim, ich werde nach dir Ausschau halten.^^
    Ich wünsche euch noch viel Spaß auf der Buchmesse und bin gespannt, was wir von euch beiden noch erwarten können.

PS: Das Foto erinnert mich irgendwie an die typischen Schnappschüsse auf dem Polizeirevier, aber sie waren ganz brav, wirklich.
Und während Daniele eher der schüchterne Typ ist, dafür aber in Windeseile wahre Kunstwerke erschaffen kann, ist Tim sehr mitteilsam und hat einfach eine tolle Erzählstimme, ich hätte ihm ewig weiter zuhören können.
Zwei wirklich liebenswürdige Zeitgenossen, denen ich hier auch weiterhin viel Erfolg wünsche, aber ich denke, darüber brauchen sich beide keine Gedanken zu machen…

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