„Scharnow“, Bela B Felsenheimer, Leipzig, 21.03.2019

Wenn Meister Felsenheimer ruft, um aus seinem Werk „Scharnow“ vorzulesen, dann muss man natürlich folgen, was manchmal gar nicht so einfach ist, denn natürlich war die Lesung hier in Leipzig im Werk 2 ausverkauft, dafür gab es allerdings bereits eine Zusatzlesung in Dresden.
Weil ich aber clever bin, hab ich erstmal im Werk2 nachgefragt, ob da noch etwas geplant ist, bevor ich mein Ticket für Dresden gekauft habe und, nun ja, ne halbe Stunde später stand die Zusatzlesung hier, dumm gelaufen, aber ich hatte mein Ticket und eins für Dresden, dass ich nun nicht mehr brauchte, aber was tut man nicht alles…
Lange Rede, kurzer Sinn, es ging also schon chaotisch los, wobei, wann reagiert bei mir mal nicht das Chaos?

Da ich mal wieder mit Menschenaufläufen und kreischenden Weibsen noch und nöcher rechnete, waren wir zeitig da und erstmal die einzigen, drinnen lief noch die erste Lesung, also hieß es warten, warten und warten, zum Glück spielte ja das Wetter mit.
Es füllte sich nur langsam, dann mit einem Schlag aber richtig und während wir uns draußen noch die Beine in den Bauch standen, signierte der Meister keine 10 Meter von uns entfernt eine gefühlte Ewigkeit seine Bücher.
Da wir die ersten waren, hatten wir freie Platzwahl, also landeten wir ganz vorne in der Mitte und mussten noch eine Stunde lang die Zeit totschlagen, bevor Bela in roten Schlappen und Bademantel die Bühne betrat, nicht wirklich sexy, aber hey, einen schönen Menschen entstellt bekanntlich nichts.
Er nahm am Tisch platz und begann erstmal zu lesen, bevor er irgendwann aufsprang und laut schreiend das Publikum begrüßte.
Und auch wenn er dank Platz 2 auf der Spiegelbestsellerliste ab sofort gesiezt werden wollte, hatte er sofort alle Sympathien auf seiner Seite, na ja, man muss den Kerl halt einfach lieben, ich zumindest tue das seit 30 Jahren und das muss man sich erstmal verdienen.
Zur Untermalung der Lesung mit verschiedenen Stimmen und Tonlagen gab es außerdem eine Leinwand mit Bildern, zum Glück, denn manche Dinge, zum Beispiel, wie sich Kotze verteilt, wenn man nackt eine Papiertüte auf dem Kopf trägt, mussten natürlich ausführlicher erörtert werden, an diesem Abend nicht ganz mein Thema, da sich kurz vorher jemand neben mir in der überfüllten Straßenbahn übergeben hatte, aber wie heißt es doch so schön?
Nur die Harten komm‘ in den Garten…
Auch Rülpsen während dem Vorlesen wurde thematisiert, ein wichtiges Problem, wer hat sich darüber nicht schon Gedanken gemacht.
„Tief in mir drin bin ich eben immer noch 12…“, gut, das erklärt dann doch einiges, aber eben nicht alles.^^
Nach diesen tiefschürfenden Ergüssen gab es zur Entspannung endlich was zu trinken, nämlich großzügig Klaren mit Fanta, besonderer Wert wurde auf das Mischverhältnis gelegt, nur nicht zu viel Blubberbrause, nur die Harten und so, ne…
Während wir noch rätselten, ob in der Flasche wirklich Schnaps war, kam uns unser Platz in der erste Reihe zugute, denn die Gläser landeten bei uns und was soll ich sagen, es war definitiv kein Wasser.
Sollte jemand vor einer Lesung hierauf stoßen ein guter Tipp am Rande: Nein, auch wenn es euch der Onkel anbietet, lasst die Finger davon, es könnte böse enden.
Notiz an mich selbst: Vormerken für das nächste Mal (sollte es je dazu kommen), denn ich habe es natürlich trotzdem getrunken, weil, nur die Harten… na, ihr wisst schon.

Es war ein lustiger, sehr gelungener Abend, ich hab mich köstlich amüsiert, aber vielleicht lag es ja auch am Alkoholpegel.
Zwischendurch gab es auf der Leinwand noch Blut und explodierende Köpfe zu bewundern und als Zugabe ein paar Textstellen, die es nicht ins Buch geschafft hatten, danach war signieren angesagt.
Die Schlange war lang, wir zum Glück weit vorn und eins muss man Herrn Felsenheimer ja lassen, auch wenn er ab jetzt zur High Society gehört, fürsorglich ist er, immerhin hat er sich erkundigt, ob es mir noch gut geht, als ob ich die Flasche alleine gesoffen hätte…
Und ja, es ging mir fantastisch, ich glaube, ein leichtes Dauergrinsen hab ich immer noch im Gesicht und das lag nicht am Klaren.

Wer also die Chance hat, „Scharnow“ live zu erleben, sollte sie unbedingt nutzen, von all den überlebensnotwendigen Dingen, die man lernt mal abgesehen, Bela rockt das Ganze einfach.
Meister, wo auch immer du wahrscheinlich jetzt gerade vorm Schlafengehen deine eigene kleine La-Ola-Welle machst, danke für diesen spritzigen, unterhaltsamen Abend und die kostenlose Getränkeversorgung natürlich.

PS: Faszinierenderweise hat Bela am nächsten Tag auf der Buchmesse gleich noch 2x meinen Weg gekreuzt, diesmal allerdings schick im Anzug.
Ich habe wohl doch ein sehr anziehendes Wesen, irgendwo ganz tief in mir drin.^^

 

Dieser Beitrag wurde unter Lesungen abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.