„Die Lüge“ – Mattias Edvardsson

Adam Sandell ist Pfarrer, liebt seine Familie, bestehend aus Frau Ulrika und der 19-jährigen Tochter Stella über alles, auch wenn sich Stella immer mehr von ihm zu entfernen scheint.
Sie lebt ihr eigenes Leben, reagiert oft schnippisch auf Fragen, kommt und geht, wie sie lustig ist.
Das gute Verhältnis von früher existiert nicht mehr, man hat sich nicht mehr so viel zu sagen und so ein bisschen schwierig war Stella ja schon immer.
Als sie eines Nachts spät nach Hause zurückkehrt, hat er ein ungutes Gefühl, dass sich noch verstärkt, als in der Nähe die Leiche eines Geschäftsmannes gefunden wird und er Stellas Bluse voller Blutflecken in der Waschmaschine entdeckt.
Kurz darauf wird sie von der Polizei abgeholt und landet in Untersuchungshaft.

„… Als Eltern glaubt man nicht, dass man den Namen seines Kindes in einem solchen Zusammenhang hören wird. Niemand, der sein Kind auf der Brust liegen gehabt hat mit strampelnden Minifüßen und gurgelndem Lachen kann sich so etwas vorstellen. Das trifft nur andere. Nicht uns.
Ich hielt Ulrika fest an der Hand. Wir sind doch nicht solche Eltern, dachte ich. Wir haben keine Drogenprobleme, wir sind gut verdienende Akademiker. Wir sind gesund, körperlich wie psychisch. Wir sind keine kaputte Familie aus einem Glasscherbenvorort mit sozialen und finanziellen Problemen.
Wir waren eine ganz normale Familie. Eigentlich sollten wir gar nicht dort sitzen. Und dennoch taten wir es. …“ (Seite 82)

Für Adam ist die Familie das höchste Gut, etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt und so gibt er seiner Tochter ein Alibi für die Tatzeit, er lügt die Polizei ganz bewusst an, was ihm anfangs sehr zu schaffen macht, immerhin ist er als ein Vertreter Gottes, zur Wahrheit verpflichtet…

“ … Ich holte Luft. Ich hasste Lügen …
Es fühlte sich nicht ganz so schlimm an, wie ich befürchtet hatte. Als nutzte sich mein innerer Widerstand mit jedem Mal, wenn ich eine Lüge aussprach, etwas mehr ab …“ (Seite 72)

Ich muss gestehen, eigentlich bin ich kein Freund der Ich-Erzählung, trotzdem hat mich Mattias Edvardsson mit „Die Lüge“ gleich auf den ersten Seiten vollkommen in seinen Bann gezogen und gespannt habe ich Adam, Pfarrer und Vater der des Mordes angeklagten Stella, gelauscht.
Viele der angesprochenen Probleme kommen einem als Mutter einer fast gleichaltrigen Tochter natürlich bekannt vor und so kann man richtig mitfühlen.
Er erzählt von seiner Musterfamilie, dem tollen Leben, aber auch davon, wie er sich langsam immer mehr von seiner Tochter entfernt.
In ihrer Jugend wird der Umgang mit ihr immer schwieriger, aber ist sie tatsächlich zu einem Mord fähig?
Doch nicht nur Adam kommt zu Wort, nach ihm folgt Stella, die im Gefängnis sitzt und über ihr Leben nachdenkt.
Sie sieht die Dinge vollkommen anders als ihr Vater und fand ich sie vorher kalt und unbeherrscht, so wird hier ein gänzlich anderes Bild von ihr gezeichnet, sie ist unsicher, weiß nicht, wohin im Leben, hat Angst…
Auch die Mutter hat einiges zu sagen und so zerbricht das Leben der Bilderbuchfamilie immer mehr, jeder hat Geheimnisse vor den anderen, nichts ist wirklich, wie es scheint, alles gerät in einen Strudel aus Lügen.
Die Figuren sind gut gezeichnet, man lernt Adam kennen und hält ihn für einen sympathischen und guten Vater, der mit seiner rebellischen Tochter zu kämpfen hat, aber ist das auch wirklich so?
Und ist Stella wirklich das kaltherzige, verantwortungslose Ding, als das sie hingestellt wird?
Welche Rolle spielt Amina, Stellas beste Freundin, die immer als die bravere und vernünftigere von beiden dargestellt wird in der ganzen Sache?
Fragen über Fragen…
Das Cover mit dem Unwetter, dass sich über dem Haus am See zusammenbraut, passt zum Inhalt wie die Faust aufs Auge, denn auch hier versinkt jeder langsam in seiner eigenen Dunkelheit.
Ja, „Die Lüge“ hat mich positiv überrascht und so gehen 4,5 von 5 Blutlachen an Mattias Edvardsson und seine etwas andere Familiengeschichte.

• Autor:                                    Mattias Edvardsson

• Verlag:                                  Limes

• Format:                                 Klappbroschur

• Seitenzahl:                          543 Seiten

• ISBN:                                      978-3-8090-2705

 Genre:                                   Thriller

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