Andreas Gruber, Leipziger Buchmesse, 24.03.2019

Zur Buchmesse hatte ich zusammen mit Ramona von „Geheimnisvolle Bücherwelten“ die Gelegenheit, einen kleinen Plausch mit Andreas Gruber über sein neuestes Werk „Code Genesis“ und natürlich auch seine anderen Bücher und Protagonisten zu halten.
Hier findet ihr nun den Mitschnitt unserer angeregten Diskussionsrunde, die auch noch weiter ging, als das Diktiergerät längst abgeschaltet war.
An dieser Stelle ein dickes Merci an Andreas, der sich von uns hat Löcher in den Bauch fragen lassen und natürlich an Ramona, die mich begleitet hat.
Und sollte es da draußen in den unendlichen Weiten tatsächlich noch jemanden geben, der Andreas Gruber nicht kennt, sollte der unbedingt mal hier oder da vorbeischauen …

  • Hallo Andreas, schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast.

Servus, sehr gerne. Es tut gut, in all dem Trubel auf der Messe sich mal in Ruhe hinzusetzen und einen Kaffee trinken zu können.

  • Planst du einen „Rachefrühling“? 
    Der Frühling ist ja die letzte Jahreszeit, die noch offen ist…

Bis vor ein paar Jahren hab ich bei den Lesungen immer wieder gesagt, weil genau diese Frage aufgetaucht ist, nein, ich mache keinen Rachefrühling, weil Rachefrühling zu wenig kriminell wirkt für einen Krimi, das ist zu sanft, Rachefrühling, das könnte ein Roman von Rosamunde Pilcher sein, „Rachefrühling in Südengland“ beispielsweise. Dann sind aber bei Lesungen immer mehr drängende Fragen gekommen, die Leser hätten gern einen Rachefrühling und ich hab dann auch immer wieder gefragt, wollt ihr einen Rachefrühling und alle haben gesagt ja. Dann hab ich mit dem Verlag darüber gesprochen, denn ich habe nämlich eine Idee, wie es weiter gehen könnte. Die Idee kann man nur in dieser Rache-Reihe bringen, weil man da eine Anwältin braucht mit einer Kanzlei, die eben einen Gerichtsfall übernimmt und der Verlag hat dann gesagt, ja, wir machen diesen „Rachefrühling“, er wird also kommen, Vertrag gibt es im Moment noch keinen, und es wird noch ein paar Jahre dauern, es werden noch ein paar Romane dazwischen erscheinen, aber definitiv kommt dann der Rachefrühling.

  • Und was machst du, wenn der Frühling dann rum ist, ist die Reihe vorbei?
    Dann hast du ja das Jahr durch.

Ja, dann ist das Jahr durch, und dann machen wir nicht mehr weiter. Und weil ich es zu dem Zeitpunkt schon mit dem Verlag besprochen hab, gibt’s im derzeit letzten Roman „Rachewinter“ beim Epilog noch keine finale Szene, denn die hebe ich mir dann für den „Rachefrühling“ auf.

  • Hast du einen guten Rat für Hobbyschreiber? Irgendetwas, an das man sich unbedingt halten sollte?

Ja, mehrere, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Du meinst mit Hobbyschreiber wirklich die, die gerade erst beginnen?

  • Genau, die, die neu in der Materie sind.

Der Ratschlag wäre, bevor sie überhaupt zu schreiben beginnen, sollen sie doch von James N. Frey „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ lesen, Teil 1 und Teil 2, da wird nämlich beschrieben, wie man plottet, wie man Charaktere entwickelt, wie man Spannung aufbaut, wie man Rückblenden macht. Das ist so die Grundausstattung. Weil wenn sich da andernfalls jemand hinsetzt und keine Ahnung vom Creative Writing hat, dann schreibt er einen Roman, so wie ich das 1995 gemacht habe , dann kannst du den Roman nehmen und ihn in die Tonne werfen, weil das Überarbeiten viel zeitaufwendiger ist, als einen komplett neuen Roman zu schreiben. Also vorher unbedingt ein paar Creative Writing Sachbücher lesen, mittlerweile gibt es da so viele gute Übersetzungen und auch viele gute auch deutschsprachige Sachbücher über das Schreiben. Dann Schreibworkshops von Profiautoren besuchen und entweder gleich mit einem Roman starten oder mal mit Kurzgeschichten Fingerübungen machen, wie auch immer. Danach ein Exposé oder eine Leseprobe an Literaturagenten schicken, nicht an Verlage, weil Verlage haben keine Zeit, es zu lesen. Das wäre ein sinnvoller Weg, wie man Schriftsteller werden könnte.

  • Dein letztes Buch ist ja „Code Genesis“, warum ist das Haustier dort ausgerechnet ein Frettchen? Hast du schon irgendwelche Reaktionen darauf bekommen? Weil, wenn Kinder ein Buch lesen und etwas besonders toll finden, wollen sie das auch haben. Ist schon irgendjemand an dich herangetreten und hat gefragt, warum ein Frettchen, kann sie nicht einen Hund oder eine Katze haben?

So wie mit dem Clownfisch von Walt Disneys „Findet Nemo“ und alle wollten plötzlich einen haben?

  • Richtig.

Also bis jetzt habe ich noch keine bösen Emails von Eltern bekommen: “Danke Herr Gruber! Mein Kind wünscht sich ein Frettchen …“ Ich habe gewusst, auf dem U-Boot muss ein Haustier sein. Ich habe sogar in meinen Erwachsenen-Romanen immer wieder Tiere, in meinen Thrillern zum Beispiel zwei Dobermänner, die Edgar und Wallace heißen, drei Goldfische, die Sammy, Davis und Junior heißen oder zwei Katzen, die Bonnie und Clyde heißen.

  • Ich hatte mal zwei Ratten, Bonnie und Clyde…

Also das lockert das Ganze ein bisschen auf, auch wenn die Thriller blutrünstig sind. Ich habe gewusst, bei einem Jugendroman muss ganz einfach auch ein Haustier vorkommen und ein Hund geht nicht an Bord eines U-Bootes, der wär wirklich arm, eine Katze ist zu abgedroschen und so bin ich halt auf die Idee gekommen, dass es entweder ein Frettchen, ein Marder oder ein Wiesel sein soll und hab mich dann eben für das Frettchen entschieden.

  • Fiel es dir schwer, dich für das Buch in einen Teenager hineinzudenken und dann auch noch ausgerechnet in ein Mädchen?

Nein, das ist mir lustiger Weise nicht schwergefallen, weil dieses Buch oder diese Buchtrilogie, die es ja werden wird, ein langjähriger Traum von mir ist, einmal so eine Jugendabenteuergeschichte zu schreiben. Ich hab immer wieder, gerade um die Weihnachtszeit so melancholische Anfälle und lese Jugendbücher von damals. Ich versuche, durch diese Jugendbücher, die ich selber lese mir quasi meine Jugenderinnerungen aufzufrischen. Das ist vielleicht eine Flucht aus dem Alltag in die Jugend hinein, weil das eine schöne Zeit für mich war. Ich habe mir gedacht, ich möchte sowas jetzt auch schreiben, so eine richtige Abenteuergeschichte, wie ich sie gerne gelesen hätte, als ich ein Jugendlicher war. Dadurch hab ich mich jetzt nicht irgendwie mühsam hineindenken müssen, sondern das ist mir viel leichter und lockerer von der Hand gegangen als ein harter Erwachsener-Thriller.

  • Und wie bist du ausgerechnet auf ein U-Boot gekommen? war dir das von Anfang an klar?

Nein, das war mir nicht von Anfang an klar, die erste Idee, die ich für meinen Literaturagenten entwickelt habe, war die: Drei Jugendliche gründen eine Privatdetektei, lassen sich Visitenkarten drucken und übernehmen mystische Kriminalfälle. Mein Agent hat gesagt, das erinnert schon sehr an „Die drei ???“ und ich soll doch was originelles, neues erfinden. Da ich schon immer die Liebe zum Wasser hab, das kommt immer unterschwellig in meinen Romanen vor, entweder Flüsse oder Inseln oder Seen oder das Meer oder die Küste, wollte ich irgendetwas mit Wasser schreiben. Die erste Idee war, sie fahren auf einem Forschungsboot, und dann hab ich mich an meine Faszination für Filme wie „Das Boot“ erinnert oder „Crimson Tide“ und hab mir gedacht, es wär doch cool, wenn diese Location nicht ein Schiff wär, sondern ein U-Boot. Die nächste Überlegung war dann, warum sollte ein vierzehneinhalbjähriges Mädchen auf einem U-Boot wohnen, dort groß werden und erzogen werden? Und dann ist die Idee eben entstanden, dass ihr Onkel Meeresbiologe ist. Und wo ist die Mama? Die könnte vor 10 Jahren gestorben sein und so hat sich dann diese Geschichte entwickelt.

  • Ramona: Bist du dafür auch zu einem U-Boot hin, hast dir das angeguckt?

Wenn es ein Erwachsenenthriller gewesen wäre, dann schon, dann wäre ich zumindest in die Bavaria Studios gefahren und hätte mir das Boot angeschaut und hätte mit einem Techniker gesprochen. Aber da das in einem Jugendbuch für 11-14-jährige sowieso nicht technisch bis ins letzte Detail erklärt werden muss, hab ich das jetzt nicht recherchiert sondern hab mir auf YouTube Videos angeschaut, wie generell ein U-Boots funktioniert, also Wassertanks fluten, dann geht’s runter, mit Pressluft die Luft aus den Wassertanks blasen, dann steigt es auf. Dann hab ich selber für mich einen Querschnitt dieses U-Bootes gezeichnet mit Maschinenraum, Steuerraum, Kombüsen, Kajüte und so weiter.

  • Du meinst das Bild, das vorne im Buch drin ist?

Genau, das ist ursprünglich eine Zeichnung für mich selbst gewesen, die der Verlag übernommen hat. Die haben das dann auch von einer professionellen Grafikerin zeichnen lassen. Das hat mir gereicht, mehr wollte ich gar nicht recherchieren, sonst wäre die Versuchung zu groß gewesen, diese ganzen Recherchen reinzupacken und dann wäre das Ganze sehr belehrend und erklärend geworden, wie das alles funktioniert und das wäre dann auf Kosten der Handlung gegangen.

  • Hast du schon als Kind geschrieben oder bist du erst später dazu gekommen?

Meinen ersten Roman hab ich mit 8 Jahren geschrieben, weil ich Schriftsteller werden wollte, schon als 9-jähriger, davor wollte ich Astronom werden. Ich wollte Astronomie studieren und in einer Sternwarte meinen Arbeitsplatz haben, also das war meine erste Idee. Und dann war die zweite Idee, nachdem mir meine Eltern das zusammen mit einer Berufspsychologin ausgeredet haben, ich möchte Schriftsteller werden, ich möchte Geschichten erfinden.

  • Und das fanden deine Eltern besser?^^

Das habe ich ihnen gar nicht gesagt, man lernt ja aus der Erfahrung, das habe ich einfach verheimlicht. Also als acht-, neunjähriger hab ich die ganzen „Was ist Was“ Bände über Mond, über Sterne, über Planeten gelesen, und die hab ich richtig verschlungen. Der Plan war, ich werde Astronom, ich möchte das studieren, aber meine Eltern haben gesagt, das ist keine gute Idee, die Psychologin hat gesagt, damit lässt sich kein Geld verdienen und dann hab ich beschlossen, ich werde Schriftsteller, möchte Geschichten erfinden und habe meinen ersten Roman mit 9 Jahren geschrieben. Ich kann mich noch genau erinnern, in den Sommerferien, das war ein Krimi und der hat geheißen „Moneten, Bier und heiße Bräute“.

  • Mit 9?

Aber nach 3 Seiten waren dann alle Figuren tot, die haben sich alle gegenseitig umgebracht und dann war der Roman zu Ende.

  • Weil wir gerade beim Thema sind, hast du Tipps für den perfekten Mord? Etwas, worauf du ganz besonders achten würdest?

Wenn ich einen Mord begehen würde? Interessantes Thema. Da beschäftige ich mich dauernd damit. Du darfst kein Motiv haben. Sobald irgendwer umgebracht wird, ist ja die erste Frage: Wer profitiert davon? Du darfst kein Motiv haben, das ist das Allerwichtigste. Oder es darf dieses Motiv niemand kennen. Zweitens, du brauchst ein Alibi. Du musst wirklich ein felsenfestes Alibi haben, dass du zu dem Tatzeitpunkt dort nicht gewesen sein kannst.
Der nächste wichtige Punkt ist, es darf gar nicht erst die Vermutung auftauchen, dass es sich dabei um einen Mord handeln könnte.

  • Unfall…

Ja, Unfall ist auch okay, noch besser wäre natürlich ein natürlicher Todesfall, das wäre das allerbeste. Bei einem Unfall kann man auch recherchieren, wie ist der Unfall zustande gekommen, es darf gar nicht erst die Idee auftauchen, dass das ein Unfall oder ein Mord sein könnte, sondern man muss glauben, dass es eine natürliche Todesursache ist. Und genau das wird in „Rachewinter“ beschrieben.

  • Da muss ich gestehen, ich habe es noch nicht gelesen. (Doch, inzwischen schon^^)

Ich stehe in Kontakt mit dem Chefgerichtsmediziner von der Berner Pathologie in der Schweiz, dem darf ich hin und wieder Emails schreiben und er hilft mir dann weiter bei den Recherchen. Er hat mir einen seiner Artikel geschickt, in dem steht, dass die Dunkelziffer bei Mord in der Schweiz viel höher ist, also extrem hoch ist im Vergleich zur tatsächlichen Mordrate, weil viele Fälle gar nicht als Mord erkannt werden.

  • Das ist hier nicht anders…

Wo es keine Obduktion gibt. Er sagt, theoretisch müsste man jeden Todesfall obduzieren, aber das geht zeitlich und finanziell gar nicht. Er hat mich dann auf die Idee gebracht, wenn es keine äußere Einwirkung gibt, also Stichwunden oder Schusswunden, dann ist man rasch bei der Schlussfolgerung, dass es eine natürliche Todesursache ist, das heißt, du brauchst eine Idee, wenn du jemanden ermordest, dass es von außen keine sichtbare Wunde gibt. Das hat mich dann auf die Idee zu der Mordmethode in „Rachewinter“ gebracht, du wirst das dann noch lesen.

  • Wenn du ein Buch schreibst, hast du dann die komplette Handlung schon im Kopf oder kommt das Schritt für Schritt?

Nein, nein, würde sie Schritt für Schritt kommen, passiert dasselbe wie mit 9 Jahren, nach 3 Seiten sind alle tot und der Roman geht dann nicht mehr weiter oder ich schreibe mich in verschiedene Sackgassen, die dann nicht mehr zusammenpassen. Nein, man muss das alles bis zum Schluss durchplotten.

  • Ich habe vor einiger Zeit mit Chris Carter geredet, der macht es zum Beispiel total anders. Er hat gesagt, er fängt wirklich mit nur einem Satz an und weiß selbst bis zum Ende nicht, wie alles ausgeht. 

Ich kann mir das persönlich nicht vorstellen, möglicherweise ist das eine Masche von Krimiautoren, die sagen, sie wissen bis zum Ende selbst nicht, wer der Mörder ist. Die Figuren entwickeln sich, die Handlung entwickelt sich, weil, es nimmt ja dem Leser die Faszination weg, wenn der Autor sagt, ich habe das Buch bis zum Schluss durchgeplant. Aber gerade bei einem Krimi muss ich wissen, wer der Mörder ist, was ist die Motivation des Mörders, warum ist er zu welchem Zeitpunkt an welcher Stelle und warum bringt er wen auf welche Art und Weise um. Das muss ich wissen, wenn ich das nicht weiß und drauf losschreib, dann muss ich schon ein verdammt großes Genie sein, dass das ganze am Schluss dann zu einer plausiblen Handlung führt.

  • Ramona: Jeder Autor ist ja auch anders…

Mag sein, dass man das aus dem Bauch heraus schreibt, aber es ist dann die Hölle, das zu überarbeiten.

  • Ja, er hat auch gesagt, er hat halt geschrieben, dann ist ihm eine Idee gekommen und er musste ganze Kapitel zurückgehen und alles umschreiben, weil er die Leute hat etwas anderes machen lassen…

Das passiert, wenn du erst am Schluss weißt, wer der Mörder ist. Dann musst du das von Anfang an logisch und plausibel überarbeiten, damit es genau dahin führt.

  • Beruhen deine Protagonisten auf Bekannten, Freunden, Familie?

Nein, gar nicht. Ich hab das früher bei meinen ersten Kurzgeschichten so gemacht, dass ich Figuren aus dem realen Leben, Freunde, Verwandte, Bekannte genommen habe und Geschichten geschrieben habe, beispielsweise eine Raumschiffcrew, das war dann die Mizi-Tante, der Peppi-Onkel, der Nachbar, mein bester Freund. Das hat aber nicht funktioniert, weil die Figuren sich so verhalten haben, wie sich die realen Personen verhalten hätten mit ihrem Background. Die Figuren müssen sich aber so verhalten, dass es zur Handlung passt. Es gibt Dinge, die es bei bestimmten Personen in der Realität gibt, das fließt dann schon mit ein, Macken und Kanten und Ecken …

  • Also würfelst du das dann aus verschiedenen Leuten zusammen?

Ja genau.

  • Hast du eine Lieblingsfigur in deinen Büchern?

Ja, einmal in „Code Genesis“ das Frettchen Charlie, das lockert ganz einfach alles auf, weil diese Figur ist ja im Prinzip – jetzt haben wir gerade vorher gesagt, dass ich Figuren aus dem normalen Leben nicht verwende, das stimmt nicht – denn das Frettchen Charlie ist mein Kater Charlie. Vom Charakter und von den Eigenschaften her ist es genau mein Kater, nur das Frettchen ist viel cleverer als mein Kater.

  • Katzen sind allgemein dumm, meine turnen selbst nach 2 Jahren immer noch am Badewannenrand entlang, obwohl sie nun langsam wissen müssten, dass sie immer wieder reinrutschen und ihnen das nicht gefällt…
  • Ramona: Aber wie kommt man verdammt noch mal auf einen Maarten S. Sneijder, einen vanilletrinkenden, jointrauchenden Ermittler, ich meine, die Joints, okay, das ist wegen seiner Cluster-Kopfschmerzen, aber wie kommt man auf so eine urkomische Figur? Das ist ja nicht mal gerade eben der normale Ermittler und Holländer noch dazu…

Also ich hab halt versucht, was neues, Originelles zu entwickeln. Diese Figur Maarten S. Sneijder ist am Reißbrett entstanden. Das ist jetzt nicht irgendwie so eine Eingebung gewesen, ich hab ihn nicht mitten in der Nacht plötzlich vor mir gesehen, wär schön, wenn es so funktioniert hätte, aber diese Figur ist in monatelanger Arbeit entstanden. Also als erstes hab ich da immer den österreichischen und den deutschen Handlungsstrang, die ich miteinander verzahne und verknüpfe und ich habe gewusst, diese Figur darf weder Deutscher, noch Österreicher sein, sondern ich mache etwas ganz anderes und nehme einen Niederländer, weil die mir sympathisch sind. Und wenn er Niederländer ist, dann könnte er ja kiffen, hab ich mir überlegt …

  • Schubladendenken…

Natürlich sind das sehr viele Klischees. Aber warum kifft er? Weil er Cluster-Kopfschmerzen hat. Dadurch, dass er Cluster-Kopfschmerzen hat, hat er noch sein Akkupunkturnadelset mit, womit er sich immer die Schmerzen an den Nervenpunkten rauszieht, ja und dann ist es mit den Überlegungen weitergegangen. In der ganzen Reihe bleibt er immer ein Single, er ist theoretisch schwul, er klaut Bücher in einer Buchhandlung, das ist ein asozialer Aspekt, aber er hat eine persönliche Fehde mit dieser Buchhandelskette.

  • Ramona: Wobei ich gerade das megasympathisch finde…
  • Sind die mal auf dich zugekommen und haben irgendwas gesagt? 

Du meinst weil die Buchstaben von Haital anders angeordnet z.B. auch Thalia ergeben? Also ich hab bis jetzt mit einigen Thalia-Filialleiterinnen gesprochen und die finden das eher amüsant und witzig. Ich erzähl das bei den Lesungen immer wieder und ich hab auch meine Lesungen bei Thalia. Thalia ist einfach ein zu großer Konzern, der kann über so ein Wortspiel drüber stehen.

  • Na ja, manche sind bei sowas ja immer etwas verbiestert und sehen das dann ein bisschen eng…
  • Ramona: Wobei ich das mit den Büchern total witzig fand, dass er da seine persönliche Fehde hat und die Bücher mitgehen lässt und da auch nicht von abgeht. Ich finde das ja -macht man nicht- aber ich finde das sympathisch in dem Moment.
  • Ja, das ist mal was anderes…

So hab ich über längere Zeit diese Figur entwickelt. Dann sind da noch diese 3 Finger, die er hochhält, also man kann nur in 3 kurzen und präzisen Sätzen mit ihm sprechen, weil er Smalltalk hasst. Er hasst auch Topfpflanzen, weil die ihm den Sauerstoff zum Denken nehmen, und so sind diese Ecken und Kanten im Laufe der Zeit entstanden.

  • Gibt es ein Tabuthema für dich, über das du niemals schreiben würdest?

Nein, das gibt es nicht. Ich habe sehr viele Tabuthemen in Romanen aufgegriffen, aber, was für mich ein Tabu wäre, ist, wenn ich ein Tabuthema in allen Details beschreiben würde. Klingt jetzt sehr kryptisch, ich meine folgendes: Beispielsweise Pädophilie in „Todesurteil“. An der Akademie des Bundeskriminalamtes unterrichtet Maarten S. Sneijder, er bringt einen pädophilen Fall vor seinen Studenten und zeigt Fotos vom Tatort, das ist ein Tabuthema, das habe ich aufgegriffen, aber ich beschreib diese Fotos nicht. Sondern in der nächsten Szene gehen die Studenten aus dem Hörsaal in die Toiletten und übergeben sich. Das heißt, ich präsentiere nachher die Folgen und die Konsequenz und was dazwischen ist, wird der Fantasie des Lesers überlassen, das beschreibe ich nicht. Ach ja, und um noch einmal auf die Frage zurückzukommen, Maarten S. Sneijder ist natürlich auch eine meiner Lieblingsfiguren.

  • Eine Letzte Frage habe ich noch: Was verbindet dich mit Leipzig? Meine Heimatstadt Taucht ja immer wieder in deinen Büchern auf, Warum?

Die Lesung meines ersten Romans „Der Judas-Schrein“ fand in Leipzig statt, weil ja damals der FESTA-Verlag in Leipzig saß. Da durfte ich diese tolle Stadt und den wunderschönen Zoo kennen lernen. Und als ich dann mit der Rache-Reihe den Ermittler Walter Pulaski erfunden habe, war für mich klar, dass er beim Leipziger Kriminaldauerdienst arbeiten muss.

  • Wir danken für das unterhaltsame Gespräch und wünschen dir eine gute Heimreise, vielleicht ja bis zur Buchmesse im nächsten Jahr.

Ja, danke, und euch auch alles Gute.

Wer jetzt tapfer bis zum Ende durchgehalten hat, wird natürlich auch belohnt, diesmal gibt es eine beim Interview signierte Ausgabe von „Rachewinter“ zu gewinnen.
Bis zum 14. April um 12 Uhr habt ihr Zeit, mir einen Kommentar zu hinterlassen, warum ihr das Buch unbedingt haben wollt, am Ende wird darüber das Los entscheiden.
Aber denkt daran, wie immer zählen nur die Kommentare direkt unter dem Blogbeitrag oder hier auf der Facebookseite, alle anderen kann ich leider nicht berücksichtigen.


Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und lebt als freier Autor mit seiner Frau und fünf Katzen in Grillenberg in Niederösterreich.Mit seinen mehrfach preisgekrönten Romanen steht er regelmäßig auf den Bestellerlisten. Darüber hinaus erschienen seine Bücher als Übersetzung in Frankreich, Italien, Brasilien, Türkei, Japan, Korea, Russland, Tschechien, Slowakei und Polen. Nominiert für den Friedrich-Glauser-Krimi-Preis des Syndikats, Preisträger des Skoutz-Awards, des Leo-Perutz-Krimi-Preises der Stadt Wien, der Herzogenrather Handschelle, dreifacher Gewinner des Vincent Preises und dreifacher Gewinner des Deutschen Phantastik Preises. Gruber ist Erfinder der Rache-Reihe um den kauzigen Ermittler Walter Pulaski und der Todes-Reihe um den niederländischen Profiler Maarten S. Sneijder. Gruber gibt Schreibworkshops, spielt leidenschaftlich gern Schlagzeug und wartet bis heute vergeblich auf einen Anruf der Rolling Stones.

»Schriftstellerei bedeutet für mich, dass ich interessante Figuren erfinden darf, ohne in der Psychiatrie zu landen – und Menschen auf originelle Weise ermorden kann, ohne im Gefängnis zu landen. Aber sonst bin ich ein netter Kerl.«
– Andreas Gruber –

»Verdomme! Andreas Gruber ist ein absolut verrückter Kerl mit einer unglaublichen Fantasie, vor der sogar ich manchmal Angst bekomme.«
– Maarten S. Sneijder –

Weitere Infos unter: www.agruber.com, www.facebook.com/Gruberthriller

Kurzgeschichten Werk-Ausgabe:
• Northern Gothic, Horror-Erzählungen, Luzifer, 2015
• Apocalypse Marseille, SF-Erzählungen, Luzifer, 2016
• Jakob Rubinstein, Krimi-Novellen, Luzifer, 2017
• Der fünfte Erzengel, Horror-Erzählungen, Luzifer, 2017
• Ghost Writer, Horror-Erzählungen, Luzifer, 2018
• Die letzte Fahrt der Enora Time, SF-Erzählungen, Luzifer, 2018
• Dinner in the Dark, Crime-Storys, Luzifer, 2019

Jugend-Roman:
• Code Genesis – Sie werden dich finden,  Abenteuerroman, cbj, 2019

Horror-Romane:
• Der Judas-Schrein,  Mystery-Thriller, Hockebooks, 2005
• Das Eulentor,  Mystery-Thriller, Hockebooks, 2007

Elena Gerink Reihe:
• Herzgrab, Thriller, Goldmann, 2013

Peter Hogart Reihe:
• Die schwarze Dame,  Thriller, Goldmann, 2017
• Die Engelsmühle, Thriller, Goldmann, 2018

Walter Pulaski Reihe:
• Rachesommer, Thriller, Goldmann, 2011
• Racheherbst, Thriller, Goldmann, 2015
• Rachewinter, Thriller, Goldmann, 2018

Maarten S. Sneijder Reihe:
• Todesfrist, Thriller, Goldmann, 2013
• Todesurteil, Thriller, Goldmann, 2015
• Todesmärchen, Thriller, Goldmann, 2016
• Todesreigen, Thriller, Goldmann, 2017
• Todesmal, Thriller, Goldmann, 2019

Fotocredit: Anett Schwertner, Michael Adam, Barbara Wirl

Dieser Beitrag wurde unter Interviews abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Responses to Andreas Gruber, Leipziger Buchmesse, 24.03.2019

  1. Virginy sagt:

    So, danke euch allen für eure Teilnahme, ich habe ausgelost und freuen darf sich Henriette.
    Allen anderen drücke ich natürlich ganz fest die Daumen fürs nächste Mal 🙂

  2. Jutta Funke sagt:

    Ich habe Andreas Gruber erst jetzt für mich entdeckt. Habe das Buch “ Todesmärchen“ verschlungen und würde natürlich auch gerne die „Rache“-Reihe kennenlernen…..und dann noch signiert!! Super!

  3. Sonja sagt:

    So ein sympathischer Typ und ein tolles Interview. Ich habe „Rachewinter“ als Wanderbuch gelesen. Eine signierte Ausgabe wäre toll

  4. Henriette sagt:

    Oh, das Buch ist garantiert super spannend!
    Bin vom Autor sehr begeistert.

  5. Yvonne sagt:

    Ein Exemplar für mich? Das wär ja klasse!! Tolles Interview! Steht jetzt auf meiner Liste!

  6. Jasmin sagt:

    Ich habe bisher erst ein Buch von ihm gelesen. War ne Storysammlung, wenn ich mich richtig erinnere. Mit der Rache-Reihe liebäugle ich schon ne ganze Weile, darum muss endlich mal eines in mein Regal, bzw. erst auf meinen Nachttisch mit zwei „t“.

  7. Jeanette Lube sagt:

    Unbedingt muss ich dieses Buch haben und lesen. Es fehlt noch in meinem Bücherregal. Daher hüpfe ich mal schnell in den Lostopf und hoffe auf Glück.

  8. Andrea sagt:

    Warum ich das Buch unbedingt haben will? Ganz klar, weil ich es lesen will. Er ist so ein toller Autor. Ich hab gerade die Todesreihe beendet und nun suchte ich die nächste durch;-)

  9. Virginy sagt:

    Du hast doch gelesen, Thalia findets amüsant, lach.
    Nee Spaß beiseite, besser nicht…

  10. Anke sagt:

    Ich wünsche mir von diesem netten Kerl eine signierte Ausgabe….damit ich es nicht bei Thalia klauen muss.
    Schönes, interessantes Interview. Er wirkt sehr bodenständig.
    Werde mir das Jugendbuch besorgen, auch wenn ich nicht die eigentliche Zielgruppe bin, alleine schon wegen dem Frettchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.