„Die Wiedererweckten des Herbert West“ – Tim Curran

Durch Matsch und Schützengräben …

Tim Currans Buch ist eine Hommage an H.P. Lovecrafts „Reanimator“, eine kleine Vorgeschichte praktisch, in der erzählt wird, was der im ersten Weltkrieg an der Front in Flandern getrieben hat, denn dort hat er natürlich genug Material, um seinem Hobby, dem Wiedererwecken von Toten, nachzugehen.
Wer jetzt aber denkt, er kann den guten Doktor bei seinen Experimenten begleiten, der irrt sich, denn hauptsächlich dreht sich das Geschehen um den amerikanischen Journalisten Creel, auf den Kriege und die Gefallenen eine besondere Faszination ausüben und so hat er sich den Briten angeschlossen, um das Leben im Schützengraben sozusagen live vor Ort mitzuerleben.
Die einstmals blühende Landschaft ist zerstört, die Gegend überall durchzogen von Schützengräben, in denen das Wasser steht und die aufgedunsenen Leichen der Soldaten vor sich hin verwesen, der perfekte Spielplatz für Tim Curran und seine fast schon plastische Erzählweise, gibt es doch matschige Leichen, in die man immer wieder tritt oder fette, vollgefressene Ratten, die hier ein tolles „All you can eat“ Angebot vorfinden.
Doch da draußen ist noch etwas, etwas schlimmeres als der Krieg, immer wieder verschwinden Männer spurlos, man findet angenagte Knochen und Spuren von bloßen Füßen und auch Creel bekommt immer mehr das Gefühl, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht…

Also eigentlich mag ich Curran und seinen Schreibstil ja sehr, man kann sich all die Abartigkeiten, über die er erzählt immer so richtig schön bildlich vorstellen.
Natürlich ist das auch hier so, die Gräuel des Krieges, die verwesenden, aufgedunsenen Leichen in den Schützengräben, ja, man kann sich durchaus ein Bild davon machen, wenn auch kein besonders schönes…
Trotzdem ist „Die Wiedererweckten des Herbert West“ nicht mein Buch, ich habe mich wirklich durchgequält und mehr als einmal überlegt, ob ich es nicht besser abbrechen soll.
Dabei hat mich der Klappentext durchaus neugierig gemacht, aber dieses seitenlange Robben durch Gräben und immer wieder diese Anspielungen, dass da draußen irgendwann ist, spätestens nach dem dritten Mal hat es mich einfach nur noch genervt.
Daran konnte dann auch noch das Wenige, was man tatsächlich über die titelgebende Figur erfährt, nichts mehr ändern, Herbert West kommt meiner Meinung nach in dem Buch einfach viel zu kurz, gerne hätte ich ein bisschen mehr über ihn und seine abartigen Experimente gelesen, anstatt immer wieder von Matsch und Schützengräben.
Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass dieses ganze Erster-Weltkrieg-Thema an sich nicht meins ist, hätte ich vorher gewusst, dass es so im Vordergrund steht, hätte ich das Buch wahrscheinlich gar nicht erst zur Hand genommen.
Einen Pluspunkt neben dem Schreibstil gibt es fürs Cover, das die zerstörte Landschaft unter einem zugezogenen Himmel zeigt, sehr passend, aber leider macht das den Inhalt nicht wett und so bleiben am Ende nur 2,5 von 5 Blutlachen für Tim Curran, schade…

• Titel:                                      „Die Wiedererweckten des Herbert West““

• Autor:                                     Tim Curran

• Verlag:                                   Luzifer

• Format:                                  Klappenbroschur

• Seitenzahl:                           202 Seiten

• ISBN:                                      978-3-95835-330-5                     

Genre:                                    Horror

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