„Eine Nacht in der Hölle“ , „Sein Schmerz“

Was bist du bereit zu opfern …

Der vierte Band der Festa Extrem Reihe beinhaltet zwei Novellen, zum einen „Eine Nacht in der Hölle“, in der Dillon und sein Freund Randy von Dillons Teamkollegen entführt und in eine einsame Hütte verschleppt werden.
Dort verleiht vor allem Kevin, mit dem Dillon aufgewachsen ist, seinem Hass auf Schwule Ausdruck, schon bald gerät das Ganze außer Kontrolle und es gibt kein zurück mehr, für niemanden…

In „Sein Schmerz“ greift White das Schicksal von Jason auf, einem Jungen, der von Geburt an entsetzlich leidet, alles verursacht ihm Schmerzen, Stimmen, Essen, Berührungen, eigentlich vegetiert er zu Hause nur vor sich hin.
Als er ein Teenager ist, sieht seine Mutter im Fernsehen einen Yogi, der von seinen Erfolgen, den Schmerz zu besiegen, erzählt und schon bald zieht der Mann im Haus ein und widmet sich ganz dem Jungen.

„… Ich werde reden und du wirst mir zuhören. Mir ist egal, wie schmerzhaft es ist – du wirst mir zuhören. Wenn deine Ohren zu bluten anfangen, hörst du weiter zu. Wenn sich dein Schädel anfühlt, als zerspringt er wie ein Ei, hörst du weiter zu. Ich will, dass du den Schmerz fühlst. Ich will, dass du nicht dagegen ankämpfst. Ich will, dass du ganz tief hineintauchst und so viel davon aufnimmst, wie du kannst …“ (Seite 44)

Seine Behandlungsmethoden sind etwas eigenartig, scheinen aber Wirkung zu zeigen und als Jason zum ersten Mal mit seiner Mutter spricht und sie sogar umarmt, weiß die, dass man dafür bestimmte Opfer einfach bringen muss….

Als Erstes fällt hier natürlich sofort das Wendecover auf, beide Bilder sind gut ausgewählt und passen zum Inhalt, allerdings geht das natürlich zu Lasten des nicht vorhandenen Klappentextes, aber das ist ein kleines Übel, mit dem ich mich schnell angefreundet habe.
Kommen wir also zu den beiden Novellen.
Ja, die von Wrath James White hat mir besser gefallen, was natürlich nicht heißt, dass „Eine Nacht in der Hölle“ schlecht war, nein, keinesfalls, aber White schafft es einfach immer wieder, den ganz alltäglichen Wahnsinn zu schildern, ohne dabei allzu weit auszuholen.
Eine Familie mit einem gehandicapten Kind, okay, erstmal nichts wirklich Neues und doch erfährt man gleich zu Beginn, was für ein tristes Leben Jason doch führt und wie seine Eltern leiden.
Seine Mutter kann ihn nicht anfassen, nicht trösten, selbst ihre Worte verursachen ihm heftige Schmerzen.
Zur Schule gehen, Lernen oder gar andere Menschen treffen, nichts von dem ist für den Teenager möglich, Tag für Tag zieht er sich, von Schmerzen geplagt in seine sichere „Höhle“ zurück.
Natürlich hat er keine Ahnung, wie man sich Anderen gegenüber verhält, woher auch.
So sehr Jason sich auch daneben benimmt, irgendwie hat man trotzdem Mitleid mit ihm, immerhin weiß er es einfach nicht besser.
Und man kann trotz allem seine Eltern verstehen, die ihren Sohn zum ersten Mal wirklich sprechen hören, die sehen, dass es für ihn außer Schmerzen auch ein anderes Leben gibt, was natürlich seinen Preis hat.
Wirklich sympathisch ist in dieser kurzen Novelle keiner, jeder trägt Schuld an den Geschehnissen, der eine mehr, der Andere weniger und trotzdem versteht man, warum die Protagonisten so handeln.
Auch wenn in der Kürze natürlich keine allzu ausgearbeitete Figuren erwarten kann, so versteht man doch ihre Handlungsweisen.
Die Mutter, die ihr Kind immer nur leiden gesehen hat und nun sieht, dass es da noch einen anderen Weg gibt, der Vater, der seinen Sohn schon als Baby gerne erlöst hätte, Jason selbst, der seine Gefühle, seinen Schmerz teilen will, lediglich die Motive des Yogi bleiben ein bisschen im Dunkeln.
Alles in allem eine ziemlich harte Geschichte, die zeigt, dass sich Einmischen nicht immer von Vorteil ist, auch, wenn man es eigentlich nur gut meint.

Bei „Ein Blick in die Hölle“ hingegen sieht es ein bisschen anderes aus, denn es gibt keinen Storyaufbau, man wird quasi mitten ins Geschehen geworfen.
Dillon und Randy werden von Dillons Teamkameraden gequält und gedemütigt, weil sie schwul sind und zusammen gesehen wurden, vor allem der stille, zurückhaltende Randy muss leiden, während sein Freund zum Zusehen verdammt ist.
Was als Scherz, Denkzettel, oder wie immer man es auch nennen mag, beginnt, artet bald aus und es gibt einen Toten, was das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mannschaft gehörig auf die Probe stellt, denn so weit zu gehen, war nicht geplant.
Während Kevin als Anführer keinerlei Zweifel an seinem Handeln hat, sind Toby und Slug die typischen Mitläufer, beide äußern ihre Bedenken, haben aber nicht wirklich den Arsch in der Hose, sich gegen Kevin zu stellen und schaufeln sich so ihr eigenes Grab.
Nachdem Randy zu Tode geprügelt wurde, bleibt nur noch Dillon, der seinen Freund rächen will und wie sagt schon die Bibel?
Auge um Auge, Zahn um Zahn…
Natürlich kann man verstehen, dass er einen tiefen Hass auf seine ehemaligen Freunde verspürt, aber ist es wirklich sinnvoll, Gleiches mit Gleichem zu vergelten und sich somit auf dieselbe Stufe wie die Täter zu stellen?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden…

Zwei Novellen, zwei unterschiedliche Bewertungen, „Sein Schmerz“ bekommt von mir 4 Blutlachen, „Eine Nacht in der Hölle“ hingegen nur 3, macht zusammen 3,5 …

• Titel:                                      „Eine Nacht in der Hölle“, „Sein Schmerz“

• Autor:                                     Wrath James White, Nate Southard

• Verlag:                                   Festa

• Format:                                 Taschenbuch

• Seitenzahl:                           224 Seiten

• ISBN:                                    / (Festa Extrem)

• Genre:                                    Thriller, Horror

• Bewertung:  

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