„A Head Full Of Ghosts – Ein Exorzismus“ – Paul Tremblay

Familientragödie …

15 Jahre nach dem Familiendrama kehrt Meredith Barrett an den Ort des Geschehens zurück, um der Bestsellerautorin Rachel Neville ein Interview zu geben, leicht ist es für sie nicht, noch immer machen ihr die Ereignisse von damals zu schaffen.
Dabei waren sie doch einst eine glückliche Familie, bis Marjorie, ihre große Schwester, sich zu verändern beginnt, ihr manchmal sogar Angst macht.
Natürlich weiß Merry, dass mit ihr etwas nicht stimmt, auch, weil sie von der Mutter immer wieder zu Ärzten geschleift wird.
Während man anfangs versucht, das Familienleben so gut wie möglich aufrecht zu erhalten, wird das immer schwieriger, Marjorie verlangt die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern, während Merry zur stillen Beobachterin degradiert wird.

„… Nach den Monaten des Alles-für-Marjorie war ich erfreut, dass endlich mal etwas, das in diesem Haus geschah, sich zumindest potentiell um mich drehte. Nachdem Marjorie fast ausschließlich sämtliche elterlichen Ressourcen verschlungen hatte, hatte ich mich schon ein bisschen verloren gefühlt, wie ein loses Foto, das aus dem Familienalbum gefallen war. …“ (Seite 216)

Nachdem der Vater den Job verloren hat und das Geld für die Behandlungen der widerspenstigen Tochter immer knapper wird, sucht John gegen den Willen seiner Frau Rat bei der Kirche, die nach eingehender Beratung zu dem Ergebnis kommt, dass Marjorie von einem Dämon besessen ist und einen Exorzismus vorschlägt.
Als das Geld schließlich ganz ausgeht, lädt man sogar ein Filmteam ein, dass eine Serie über die Vorkommnisse macht, die zahlen schnell und gut, der große Showdown soll natürlich der Exorzismus werden.
Während Marjorie immer wunderlicher wird und seltsame Warnungen von sich gibt, ist Merry schon froh, dass ihr zumindest ein Mitarbeiter des Filmteams etwas Aufmerksamkeit schenkt, aber soll sie ihm das Geheimnis, das ihr die große Schwester anvertraut hat, wirklich erzählen?

Lange hatte ich das Buch auf meinem SUB liegen, ich habe keine Ahnung, warum ich nicht schon früher danach gegriffen habe, denn Merrys Geschichte ist wirklich gut.
Zum einen erfahren wir, wie Meredith nach der Erkrankung ihrer Schwester immer mehr in den Hintergrund gerät, da die Eltern mit der Sorge um Marjorie schon völlig ausgelastet sind, ein Problem, dass wohl viele kennen, die einen kranken Angehörigen haben.
Immer wieder sucht das Mädchen die Aufmerksamkeit der Eltern und wird abgewiesen.
Natürlich weiß sie, dass mit ihrer Schwester etwas nicht stimmt, war die doch früher ganz anders, die Geschichten, die sie ihr erzählt hat, waren fröhlich, jetzt tauchen darin merkwürdige Warnungen vor ihrem Vater auf, Marjorie schleicht nachts in ihr Zimmer, beobachtet sie, bedroht sie sogar und dennoch ist sie trotz allem Merrys geliebte Schwester, auch, wenn sie inzwischen Angst vor ihr hat.

Mit „A Head Full Of Ghosts“ hat Paul Tremblay ein kleines Meisterwerk geschaffen, er lässt sich viel Zeit bei der Ausarbeitung seiner Protagonisten, was hier auch nötig ist, um die Handlungen der verschiedenen Charaktere zu verstehen.
Als Arztbesuche nicht helfen, schaltet John Barrett die Kirche ein, sehr zum Missfallen seiner Frau Sarah und er ist es auch, der das Fernsehteam ins Haus holt, als das Geld nicht mal mehr für die Abzahlung der Hypothek aufs Haus reicht.
Für Sarah hingegen ist die Kirche nach anfänglichem Sträuben der letzte Strohhalm, haben doch alle Versuche vorher nichts gebracht.
Der eigentliche Auslöser für all das Chaos, Marjorie, ist auch die Einzige, die mir wirklich rätselhaft und teilweise sogar unsympathisch war, warum, darauf werde ich nicht näher eingehen, das würde einfach zu viel verraten.
Sonnenschein Meredith hingegen, das Nesthäkchen der Familie, die kleine, die erlebt, wie schnell sich doch alles ändern kann, muss man einfach gern haben, sie ist die eigentliche Erzählerin, eine sichere Quelle sozusagen, war sie doch live dabei.
Aber wieviel Fantasie hat ein kleines Kind, was ist eingebildet, was echt?
Jahre später können einige Dinge plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen…

Natürlich hat „A Head Full Of Ghosts“ Parallelen zu „Der Exorzist“, dem Paradebeispiel, wenn es um Dämonenaustreibung geht, dennoch geht Paul Tremblay das Thema etwas anders an, weniger eklig und blutig und trotzdem ist sie irgendwie die ganze Zeit über da, die Gänsehaut.
Die Sache mit den Tagebucheinträgen fand ich sehr gelungen, auch, wenn mir recht schnell klar war, wer dahintersteckt.
Trotzdem bieten sie eine andere Sicht auf die Dinge, kühl, analytisch, mit Abstand zum Geschehen, ein kleiner Gegenpol zu Merrys Erzählungen.
Und natürlich komme ich nicht umhin, zum Abschluss noch das Cover lobend zu erwähnen, das ich persönlich ganz toll finde.
Die Grün- und Schwarztöne lassen eine düstere Stimmung aufkommen und das Bild vom Mädchen im weißen Kleid/Nachthemd findet man auch zu Beginn der beiden Teile, in die das Buch gegliedert ist, wieder.
Alles in Allem bleibt mir hier gar nichts anderes, als volle Punktzahl zu geben, unbedingt lesen…^^

• Titel:                                      „A Head Full Of Ghosts“

• Autor:                                     Paul Tremblay

• Verlag:                                   Festa (Must Read)

• Format:                                 Hardcover

• Seitenzahl:                           400 Seiten

• ISBN:                                    978-3-86552-659-5

• Genre:                                    Roman, Psycho-Thriller

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