„In Gestalt eines Anderen“ – Allen Eskens

Nach „Das Leben, das wir begraben“ und der Fortsetzung „Die Schatten, die wir verbergen“ war ich natürlich besonders gespannt auf „In Gestalt eines Anderen“.
Aber hat Allen Eskens es auch diesmal wieder geschafft, mich zu überzeugen?

Alles beginnt mit einem saublöden Autounfall.
Während die Verursacher überleben, kommt für den Fahrer des anderen Wagens, einen gewisser James Erkel Putnam, jede Hilfe zu spät.
Sein Ableben jedoch setzt eine tödliche Spirale in Gang, denn der Tote war nicht Putnam, wie ein windiger Anwalt herausfindet und damit an Detective Alexander Ruperts Tür klopft.
Rupert war früher einmal ein angesehener Undercoverermittler bei der Task Force, doch dann hat jemand aus seiner Truppe Drogengelder unterschlagen und nun vegetiert er in einem „Kellerverschlag“ mit uninteressanten Fällen vor sich hin, bis dieser Putnam auftaucht, der nicht Putnam ist.
Für Alexander tun sich hier ungeahnte Möglichkeiten auf, er kann sein Können beweisen, seinen Chefs zeigen, was für ein toller Ermittler er ist, damit die falschen Anschuldigungen gegen ihn endlich fallen gelassen werden und so wird dieser Fall fast zur Obsession für ihn.
Zu spät erkennt er, in welches Wespennest er da gestochen hat…

Ja, ich muss gestehen, Alex Rupert war mir nicht ganz geheuer, so wirklich Sympathie habe ich für ihn von Anfang an nicht entwickelt.
Gut, er ist arm dran, falsche Verdächtigungen, Abstieg, die Frau sucht woanders Trost, aber irgendwie scheint er nichts dagegen zu tun, bis der Anwalt bei ihm auftaucht und ihm erzählt, dass Putnam gar nicht Putnam war.
Von dem Moment an ist er sich im Klaren darüber, dass es dieser Fall sein wird, der ihn reinwäscht, steigert sich immer mehr in die Ermittlungen und alles andere scheint ihm egal zu sein, selbst die fremdgehende Ehefrau.
Je mehr er herausfindet, umso gefährlicher wird die ganze Sache, auch für die Leute in seiner unmittelbaren Umgebung, aber das interessiert ihn nicht wirklich.
Sein Gegenstück ist quasi sein Bruder, pflichtbewusst, aufmerksam besorgt, wegen dem anstehenden Prozess, um den sich Alexander überhaupt keine Sorgen macht.
Aber auch die Lebensgefährtin von „Nicht-Putnam“ weckt von Anfang an ein merkwürdiges Gefühl.
Verdammt, ihr Freund ist tot, aber trauern scheint nicht so ihr Ding zu sein, lieber lacht sie sich den ermittelnden Polizisten, also Alexander an, ein seltsames Pärchen…
Doch genau das macht neugierig auf den weiteren Verlauf, denn dass nicht alle mit offenen Karten spielen, ist klar, aber wer ist hier gut und wer böse?
Okay, der schon recht bald ins Geschehen eingreifende Auftragskiller ist nicht nett, soviel ist von Anfang an klar, er geht buchstäblich über Leichen, aber nicht nur er.

„…Wir haben alle Geheimnisse, Alexander. Niemand geht durchs Leben, ohne irgendetwas zu tun, das man später gern ungeschehen machen würde…“ (Seite 152)

Dass Allen Eskens sich in juristischen Belangen auskennt, wurde spätestens bei „Die Schatten, die wir begraben“ deutlich und auch hier spürt man wieder, da ist jemand am Werk, der sich auskennt, der schreiben kann und über das nötige Wissen verfügt, auch das verleiht seinen Charakteren Tiefgang, die alle ihr ganz eigenes Ziel verfolgen.
Nach und nach werden die Dinge klarer, die Karten werden aber bis zum Ende immer wieder neu gemischt und das lässt einen natürlich am Ball bleiben, ein kluger Schachzug.
Und auch, wenn ich keinen der Protagonisten besonders liebenswert fand, mit Ausnahme von Billie vielleicht, so hat mich die Geschichte doch gefesselt, eben gerade, weil Alexander so ein undurchsichtiger Typ ist…


Ein etwas verworrener, aber dennoch nachvollziehbarer Thriller, der zeigt, dass es manchmal eben doch besser ist, die alten Geschichten ruhen zu lassen.
Der Schreibstil ist flüssig und mitreißend, die Charaktere haben eine Geschichte, so dass man versteht, warum sie so und nicht anders handeln und auch das schwarz-weiße Cover mit dem „gesichtslosen“ Mann passt, denn wer Putnam war, bleibt im Dunkeln, dafür lasse ich 4 von 5 Blutlachen springen.^^

• Titel:                                      „In Gestalt eines Anderen“

• Autor:                                     Allen Eskens

• Verlag:                                   Festa

• Format:                                  Hardcover

• Seitenzahl:                            397 Seiten

• ISBN:                                     978-86552-767-7

• Genre:                                     Thriller

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