„Porno“ – Matt Shaw

Gefangen im Albtraum …

Es gibt Tage, da hat man auf nichts Bock, so wie heute, dann hilft es, sich mit einem Buch, oder mit zwei, manchmal sogar mit drei, auf die Couch zurückzuziehen und nichts weiter zu tun, als lesen, so wie ich heute.
„Das Angstexperiment“ hatte ich fast durch, da fehlten nur noch die letzten 100 Seiten und gestern hatte ich festgestellt, das von „Porno“ bei mir nicht mehr wirklich viel hängen geblieben ist.
Gut, es ist schon eine Weile her, dass ich es gelesen habe (2018), aber immerhin steht die Buchmesse und damit auch Matt Shaw, vor der Tür und man muss ja vorbereitet sein.
Lange Rede, kurzer Sinn, manchmal hilft eben nur noch ein Re-Read, zum Glück hat „Porno“ ja nicht so viele Seiten wie „Monster“.
Ich weiß noch, dass mich das Buch damals nicht ganz so begeistert hat, ich das Cover aber total cool fand, was heute übrigens immer noch so ist, zur Geschichte selbst hat sich meine Einstellung allerdings etwas geändert.

Victoria ist 19 und will Schauspielerin werden, doch an eine Rolle zu kommen, ist gar nicht so einfach.
Eine Anzeige bringt sie auf die glorreiche Idee, es doch erstmal als Pornodarstellerin zu versuchen, schließlich müssen Rechnungen bezahlt werden.
Mit etwas gemischten Gefühlen stellt sie sich bei einem Agenten vor.
Die ersten Drehs sind gar nicht so schlimm und sie bekommt einen Rat mit auf den Weg:

„… Aber denk daran: Wenn die Kameras laufen, bist du nicht mehr du. Du bist eine lebende, atmende Fantasie und spielst, was immer wir dir an Rollen geben. Wenn du das begreifst … Wenn du das wirklich verinnerlichst, dann steht dir die Branche offen. Das glaube ich ganz fest …“ (Seite 35)

Doch natürlich kommt es, wie es kommen muss, aus dem Traum von der großen Karriere wird recht schnell ein Albtraum, als Vicky für einen besonders gut bezahlten Job gebucht wird.
Kommt ihr anfangs nur die Location ein bisschen schmuddelig vor, muss sie schon bald um ihr Leben kämpfen…

Vicky hat jenen verhängnisvollen Abend überlebt, nur knapp, aber jetzt will sie nur noch eins: Rache, die Männer, die ihr das angetan haben, sollen dafür bluten und sterben.
Harry ist der Regisseur, der zu jenem Dreh das Sagen hatte, Vicky hat ihn ausfindig gemacht und an einem Pfeiler gefesselt.
Von der etwas naiven jungen Frau ist nicht mehr viel übriggeblieben, zu tief sind die Narben, sie hat nichts mehr zu verlieren.
Und so erlebt der Leser Schritt für Schritt Victorias Abstieg in die Hölle mit.
Matt Shaw erzählt seine Geschichte in kurzen Sätzen und wechselt ständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Das hat er schlau gelöst, denn er lässt seine Protagonistin ihre Geschichte erzählen und zwar niemand geringerem, als ihrem Peiniger.
Sie beginnt bei ihren ersten Schritten im Pornobusiness und endet eben nicht in jener verhängnisvollen Nacht, wie geplant.
Ein Albtraum für Harry, doch auch bei Vicky läuft nicht alles, wie geplant und dennoch hat sie einen Trumpf im Ärmel …

Auch Porno ist, ähnlich wie „Monster“ fast ein Kammerspiel, denn eigentlich geht es nur um Victoria und Harry, der nun selbst in jener Fabrikhalle, in der Vicky sterben sollte, festgehalten wird.
Natürlich gibt es andere Charaktere, aber die tauchen nur in den Rückblicken auf und spielen im Hier und Jetzt keine Rolle, zumindest nicht persönlich.
Und so wird Porno zum Schlagabtausch zwischen Pornosternchen und Regisseur, denn auch Harry hat ein paar Überraschungen auf Lager, die Vicky gar nicht gefallen.
Dabei wünscht man ihr eigentlich nur, dass sie ihre Rache durchzieht, um zumindest ein bisschen Frieden zu finden, sofern das überhaupt noch möglich ist, denn eigentlich ist ihr Leben ja bereits vorbei.
Allerdings scheint ihr das weitaus weniger Sorgen zu machen als die Frage, was ihre Eltern wohl von ihr denken, wenn herauskommt, wie sie ihr Geld verdient hat.
Allein das, gepaart mit ihrem starken Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen, macht sie zu einer Figur, mit der man mitleidet, der man einfach nur wünscht, dass ihr Plan aufgeht, auch wenn der, zugegebenermaßen, nicht sehr nett ist.
Die Zeiten von nett sind jedoch endgültig vorbei.



Harry ist das Gegenteil von Vicky, berechnend, nur auf Profit aus, selbst als er sich in ihrer Hand befindet, verhöhnt er sie immer noch, wirft mit Anspielungen und Beleidigungen um sich, der perfekte Vorzeigebösewicht, der nichts falsches an seinen Taten erkennen kann, die Sympathiepunkte sind hier als ganz klar verteilt.
Und trotzdem schafft Matt Shaw es, das Ganze nicht in eine schnöde Rachestory abdriften zu lassen, die Geschichte verfügt durchaus über einen gewissen Tiefgang, ich habe mit Vicky gelitten und ihr die Revanche aus tiefstem Herzen gegönnt, das ist mir 4 von 5 Analplugs wert.^^

• Titel:                                      „Porno“

• Autor:                                     Matt Shaw

• Verlag:                                   Festa

• Format:                                  Taschenbuch

• Seitenzahl:                            153 Seiten

• ISBN:                                      /, Festa Extrem

• Genre:                                     Thriller

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