„Midsommar“, 28.02.2020

Trügerische Idylle …

Bekannterweise bin ich jetzt nicht der überzeugte Kinogänger und ja, ich gebe es gerne zu, mich regt es jedes Mal aufs Neue auf, das sich Leute in zwei Stunden so ziemlich alles in den Mund schieben, solange es nur genug raschelt, knistert oder was auch immer.
Bei manchen Filmen komme aber selbst ich nicht um einen Kinobesuch herum, wie zum Beispiel bei „Es“ oder „Joker“.
„Midsommar“ ist ein Film, der zwar von Anfang an mein Interesse weckte, aber nicht genug, um mir den penetranten Popcorngeruch im Kino anzutun.
Ich habe es also vermieden, außer den Trailer etwas über das Werk in Erfahrung zu bringen, aber selbst der kurze Clip verrät eigentlich schon viel zu viel …
Wer den Film (noch) nicht gesehen hat, sollte diese Zeilen vielleicht besser nicht lesen, denn so ein kleines bisschen gespoilert habe ich schon, aber zumindest habe ich mich bemüht, es in Grenzen zu halten.

Wie im Trailer schon zu erahnen, begleiten wir Dani (gespielt von Florence Pugh) auf ihrer Reise nach Schweden.
Erwünscht ist sie bei diesem Trip jedoch nicht wirklich, war er doch nur für ihren Freund Christian und seine Kommilitonen Josh, Mark und Pelle geplant.
Pelle stammt aus einer kleinen Gemeinde in Schweden, in der das
Midsommar Fest das Highlight des Jahres ist, neun Tage lang wird gefeiert, bis zur Krönung der Maikönigin.
Natürlich sind die Jungs alles andere als begeistert, als sie erfahren, dass Dani ihnen Gesellschaft leisten wird, doch die hat sehr viel durchgemacht und Christian sieht sich in der Pflicht, sie einzuladen.
Dabei scheint die Beziehung keinem der beiden wirklich gut zu tun, Christian denkt schon länger über Trennung nach, während Dani sich wie eine Zecke an ihm festsaugt.
Gut, sie hat gerade einen traumatischen Verlust hinter sich und eigentlich müsste sie einem leid tun, doch sie spielt immer wieder die Mitleidskarte aus und das macht sie, zumindest mir, alles andere als sympathisch.

Ein großer Pluspunkt des Films ist für mich die Landschaft.
Schon bei der Ankunft in der kleinen Gemeinde in Schweden dominieren grüne Wiesen und unberührte Natur, Holzhütten, ein Hauch von ländlicher Idylle.
Die Kleider sind unschuldig weiß, die Frauen tragen Blumenkränze…
Natürlich weiß man von Anfang an, dass hier etwas faul ist.
Oder ist das nur für uns, die wir mit alten Riten und Traditionen gebrochen haben so?
Ich werde hier nicht weiter auf die Handlung eingehen, nur soviel: Zwei Menschen aus der Gemeinde nehmen sich das Leben.
Für uns scheint der Tod der beiden Alten barbarisch, aber dürfen wir uns überhaupt ein Urteil darüber erlauben?
Über Menschen, die im Einklang mit der Natur leben, während wir in unseren Betonbauten hocken und einander völlig gleichgültig sind?
Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten.

Ja, ich fand die Herangehensweise an diesen Film sehr faszinierend, doch leider ahnt man sehr schnell, worauf das Ganze hinausläuft, hat die arme Dani doch außer ihrem Freund (und dessen Clique) niemanden mehr.
Immer wieder gibt es mehr oder weniger versteckte Hinweise auf Familie und Zusammenhalt, auf füreinander da sein und so war der zweite Teil des Films für mich leider weniger überraschend.
Mit ihren „Freunden“ verliert Dani nach und nach immer mehr die Verbindung zu ihrem alten Leben, bis sie sich entscheiden muss…
Genau diese Vorhersehbarkeit macht es mir etwas schwer, den Film zu bewerten, denn sowohl Story, als auch Setting und Schauspieler wissen durchaus zu überzeugen, liest man allerdings ein bisschen zwischen den Zeilen, ist da nichts mehr mit großer Überraschung und das finde ich doch etwas schade, trotzdem hat „Midsommar“ durchaus seine Momente
Wer Gemetzel und Action erwartet, wird jedoch eher enttäuscht sein, denn es dauert verhältnismäßig lange, bis es zum großen Knall kommt und einigen wird auf dem Weg dahin sicherlich die Lust vergehen, denn erstmal steht der Alltag der Kommune im Mittelpunkt.
Aber wiegt euch nicht zu sehr in Sicherheit, das dicke Ende kommt.
Alles in allem für mich nicht der Reißer, aber doch ein guter Film, der nachhallt, 4 von 5 Blutlachen.

Credits:
www.eclairplay.com
Plakat © 2019 Kinowelt

Pic © Courtesy of A24

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